Bloeßl 2013 Frühburgunder

15 Jan
15. Januar 2015
Print Friendly

blössl_frühburgunder_schumanns-weinblog

Was lange währt…

 

Ich bin wieder da. Es mag vielleicht ein wenig arg theatralisch anmuten, aber ich hatte eine einigermaßen tiefgreifende Schaffenskrise in den letzten Monaten des alten Jahres. Freilich trank ich auch im November und Dezember reichlich Wein – ich habe sogar ausgiebig Notizen gemacht und viele Artikel zumindest begonnen – aber es schien zwischenzeitlich so, als sei mir meine Ironie abhanden gekommen. Und ohne Schalk im Nacken kann ich vielleicht trinken und die eine oder andere Flasche verkaufen, aber schreiben kann ich ohne Augenzwinkern nicht…

So kam es, dass alle meine Entwürfe im digitalen Papierkorb verschwanden und sich die Flaschen auf den Schränken und Sideboards meiner Behausung zu tief gestaffelten, ellenlangen Schlachtreihen aus dem Zeitalter der Kabinettskriege formierten. Gottlob – und damit enden glücklicherweise die Parallelen zu längst vergangenen, waffenstarrenden Zeiten – bedurfte es in meinem offenbar doch minder schweren Fall keiner jahrelangen Italienreise, um meine Schreibblockade zu lösen. Heute morgen bin ich einfach so aufgewacht und wusste, dass ich wieder schreiben will…

 

 

Wiedereinstieg mit Frühburgunder – Ein cooler Hund aus Rheinhessen

 

Bereits im Herbst hatte ich Post von einem mir bis dato gänzlich unbekannten rheinhessischen Startup eines gewissen Herrn Bloeßl aus Ingelheim in Rheinhessen erhalten. Gute Freunde und noch bessere Weinkenner hatten mir diesen Betrieb aus dem alten Rotweinstädtchen Ingelheim ans Herz gelegt, dessen Spezialität potente, in kleiner Stückzahl bereitete Rote seien, die ihren ansonsten hoffnungslos italienlastigen Geschmack komplett durcheinander gewirbelt hätten.

Und tatsächlich, beide Bordeaux-Bouteillen waren nicht nur rein äußerlich schmuck gestaltet und zudem mit inzwischen wieder recht raren Glaskorken versehen, sie hatten es durchaus in sich und können mit Fug und Recht als schlagkräftige Argumente bezeichnet werden, die sowohl klassische Deutschweinliebhaber überzeugen können, wie sie Anhänger mediterraner Üppigkeit von liebgewonnenen Gewohnheiten abzubringen in der Lage sind…

Den Dicken Hund – eine Cuvée aus Spätburgunder und Portugieser aus alten Reben – will ich in diesem Zusammenhang nur kurz streifen, obwohl er mir in seiner unkomplizierten, trinkfreudigen und dennoch niemals trivialen Art bereits durchaus begeisterte. Mein Herz gewann nämlich auf Anhieb der proppere Frühburgunder des Herrn Bloeßl, der für mich absolut alle Tugenden dieser meiner vielleicht liebsten aller roten Varietäten in einer Flasche Wein vereint:

Frühburgunder – zumindest wenn man ihn so interpretiert wie unser rheinhessischer Jungwinzer – kann nämlich einer der wenigen wirklich mehrheitsfähigen Wanderer zwischen den Weinwelten sein. Er kann Unnahbarkeit, Eleganz, Transparenz und Frische seines nur vielleicht vermeintlich größeren burgundischen Bruders mit der tiefroten Kumpeligkeit und süffigen Volksnähe südlicher Sorten verbinden, wie es wohl keine zweite Rebe hierzulande vermag. Für die ganz hohen Weihen mag er auch in seiner besten Ausprägung stets ein klein wenig zu unverbindlich fruchtig süß und schokoladig umarmend sein, doch sorgt er mit all seiner ihm innewohnenden weihnachtlichen Gewürzvielfalt und von mir schon viel zu oft zitierten märchenhaft-mysteriösen Rauchigkeit für ausreichend Spannung, um auch das kalte Herz des abgehobensten aller Burgundersnobs zumindest temporär zu erweichen.

All diese Attribute vereint unser famoser Ingelheimer geradezu prototypisch in sich, so dass ich jede weitere Beschreibung erübrigt. Ich bin – Herrn Bloeßl sei Dank – jedenfalls wieder komplett angefixt und werde mich in nächster Zeit vermehrt mit Frühburgunder beschäftigen, meiner alten roten Liebe, die inzwischen glücklicherweise wieder in allen deutschen Anbaugebieten wächst und gedeiht. Man darf also gespannt sein…

Bloeßl Frühburgunder 2012 trocken um 15€ ab Hof

Follow on Bloglovin

www.schumanns-weinblog.de

Tags: , , , ,
0 replies

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

© Copyright - Schumanns Weinblog - Impressum