Bodegas y Vinedos Godelia Godelia 2009 Bierzo

Schumanns_Weinblog_Godelia_2009

von Christian Schumann

[dropcap2]E[/dropcap2]s gibt Weine auf dieser Welt, die gibt es eigentlich gar nicht. Da kann man sich auf Teufel komm raus durch die Weinlandschaften Europas trinken, aber mehr als ein paar Randbemerkungen oder Fußnoten findet man zu gewissen Tropfen nirgends. So war mir bis vor einigen Wochen nur rein theoretisch klar, dass das momentan ultrahippe nordspanische Anbaubgebiet Bierzo neben großartigen Roten aus der autochthonen Mencia auch – allerdings in weit geringerer Stückzahl – Weißweine auf die Flasche bringt, die es hier auf Schumanns Weinblog zu beschreiben lohnt.

Sehr zum Segen des neugierigen Weinfreundes gibt es jedoch immer wieder Fachhändler, die einen wahrlich überraschen können und Spezialitäten im Sortiment führen, die man ohne sie wahrscheinlich niemals im Leben trinken würde. Unseren heutigen Kandidaten habe ich denn auch bei einem Feinkosthändler in Nürnberg aufgespürt, den ich aus bloßem Zufall aufgesucht habe. Ich wollte nur im Vorübergehen einen Espresso an seiner Bar schlürfen, Wein hatte ich ausnahmsweise einmal gar nicht im Sinn. Doch es hat sich wahrlich gelohnt, doch einmal die Regale zu durchstöbern…

Die Bodegas Godelia liegen wie gesagt im Bierzo, dem iberischen Pilgerziel schlechthin für alle von überextrahierten Machoweinen gelangweilten Trinker. Selbstverständlich gibt es hier auch Rotweine und geradezu zwangsläufig werden diese vor allem aus Mencia bereitet, doch ich bin der festen Überzeugung, dass schon und gerade der heute vorzustellende Weißwein einen Abstecher vom unweit vorbeiführenden Jakobsweg lohnt. Umtriebige Genießer wissen es seit Langem: Spanien kann auch weiß, allerdings kann man die Ausnahmestellung des Godelia im meinen Augen gar nicht genug hervorheben!

Der Schlüssel zur Außergewöhnlichkeit ist zunächst einmal ganz eindeutig die Wahl der Rebsorten. Unser Spanier aus dem kühlen Norden ist eine Cuvée aus Godello (80%) und der mir bisher gänzlich unbekannten Dona blanca (20%). Godello steht seit mindestens einem Jahrzehnt in Kennerkreisen wie keine andere Traube für den neuen, den eleganten spanischen Weißwein. Sie ergibt, wenn man sie nicht zu spät liest und kühl vergärt, herrlich säurefrische, glasklare und nicht selten sogar expressiv mineralische Weine, die einen unweigerlich an weit nördlichere Gefilde denken lassen. Trotzdem ist ihre exotische Fruchtigkeit stets zur Stelle und erinnert einen daran, dass man es mit einem waschechten Südländer zu tun hat. Sortenreine Godellos werden nur selten im Holz ausgebaut, blitzeblanker Stahl steht der Traube gemäß der landläufigen Meinung am besten zu Gesicht. Hier kommt beim Godelino wohl die Dona blanca ins Spiel: Auch wenn ich die Sorte nicht kenne, so steuert sie wohl ganz Erhebliches zum Gesamtbild bei, das den Wein überaus positiv auf den Holzfassausbau reagieren lässt. Denn Holz – zumindest gebrauchtes – hat der Godelia eindeutig gesehen…

In der Nase Verwirrung pur: Exotische Frucht (Maracuja, vielleicht Guave?), dazu auch nach einigen Jahren noch deutliche Hefe und eine mineralische Würze, nein eine Salzigkeit, die man in dieser Ausprägung allenfalls bei den besten Weinen aus Chablis finden kann. Ich meinte tatsächlich, die in diesem Zusammenhang oft bemühten Austernschalen und das zugehörige Jod zu erkennen. Dieser Wein entzieht sich bereits beim allerersten Kontakt zur Gänze jeder gängigen Kategorisierung, man hat es mit einem Exoten zu tun, der nur so vor Saft und Kraft (14%) strotzt, der aber wohl bereitet wurde wie ein klassischer weißer Burgunder. Ich konnten nicht wirklich viele Informationen zu diesem Tropfen bekommen, aber er wurde wohl sehr lange auf der Feinhefe gelagert und im Barrique einem Biologischen Säureabbau unterzogen.

Das Ergebnis dieser absolut ortsuntypischen Herangehensweise wird spätestens im Mund offensichtlich: Die immer noch nicht eben gering bemessene, warme Primärfrucht ist nämlich eingewoben in einen ungeheuer komplexen Teppich von Sekundäraromen, die in beinahe vollkommener Harmonie zusammenwirken. Der Wein hat reichlich Schmelz ohne fett zu wirken, Kräuterwürze ohne jede Bitterkeit und die wirklich markante Mineralik bläst einem den Kopf frei wie eine kühle, salzige Brise vom nahen Atlantik. Ein balancierteres Hybridwesen aus südlicher Lebensfreude und nördlicher Kühle und Eleganz ist seit wirklich sehr langer Zeit nicht mehr in mein Glas geraten…

um 14€ bei Feinkost Pickl 

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