Ehrhart 2009 Spätburgunder*** Pfalz

10 Mai
10. Mai 2012
Print Friendly

Die Südpfalz ist mittlerweile so etwas wie meine neue Sehnsuchtsregion! Mitleid mit Kaiserslautern oder gar Sympathien für Kurt Beck habe ich dennoch nicht…

Dass diese in den 70ern zurecht als „Süßpfalz“ verballhornte Gegend nicht erst seit gestern tolle trockene Weine hervorbringt, habe ich bereits durch den Genuss der Tropfen des von mir sehr geschätzten Weinguts Gnägy aus Schweigen – Rechtenbach erfahren und hier auch ausreichend gewürdigt. Dieser ehemals verpönte Landstrich bringt neben den fettesten einheimischen Cabernets und Merlots auch mit die ernsthaftesten deutschen Chardonnays und Sauvignons hervor – von den Vertretern der Burgundersorten (weiß wie rot) müssen wir gar nicht erst reden…

Größen wie Friedrich Becker, Rebholz, Siegrist und Wehrheim haben hier schon in den 90ern eine Revolution ins Rollen gebracht die unvermindert anhält.

Allerdings hat es mich als Pfalz – Laien schon bei Gnägy überrascht, dass diese sonnenverwöhnte Ecke offenbar auch das Terroir besitzt um großartige trockene Rieslinge auf die Flasche zu bringen, die mit den erlesenen Gewächsen der Mittelhaardt durchaus mithalten können.

Kurz gesagt: Die „Südliche Weinstrasse“ – wie sie offiziell heißt – hat für jeden erdenklichen Tinkertypus etwas zu bieten – außer mittlerweile vielleicht für die ganz Süßen unter uns…

Wirklich großartig an der Südpfalz ist jedoch, dass diese schönen Qualitäten (noch) keineswegs teuer bezahlt werden müssen, sondern dass es eine wahre Fülle von ordentlichen Mittelklassebetrieben jenseits namenloser Massenproduktion gibt, die ihresgleichen sucht! Die viel zitierte „Zweite Reihe“ steht auch hier Gewehr bei Fuß und wartet auf neugierige Weinfreaks…

Mein wieder erwachtes Interesse für diese Region in unmittelbarer Nachbarschaft des nördlichen Elsass wurde durch einen Artikel auf einer der zahlreichen von mir besuchten Weinwebseiten befördert, deren Einschätzungen ich sonst nicht immer teile, die allerdings diesmal völlig richtig lag:

Wie der aufmerksame Leser weiß, suche ich immerzu nach Pinots aus deutschen Landen, die gleichermaßen bezahl- wie trinkbar sind. Diese Jagd ist jedoch sehr mühselig und nervenaufreibend, denn offenbar fordert die unangefochtene Diva unter den Trauben einen solchen Aufwand in Weinberg und Keller, dass es bislang fast aussichtslos erschien, ernsthafte Exemplare unter der 10 Euro – Schallmauer aufzustöbern. Leckeres gibt es wohl ab und an, Seriöses eigentlich nie!

Der 2009 *** – Spätburgunder trocken vom Weingut Ehrhart in Eschbach ist  Welten, ja Galaxien von solchen schlichten Süffeltropfen entfernt! Preislich schlägt sich das allerdings kaum nieder: Für sage und schreibe glatte 5 Euro bekommt man hier einen derartigen Hammerwein, dass es einem glatt die Sprache verschlägt! Ehrharts Mittelklasse – Pinot war gute 18 Monate im gebrauchten Holz – und das steht ihm gut… Die schmeckbaren aber dezenten Barriquenoten unterstreichen eine klare, kraftvoll reife Beerenfrucht, die man selbst bei so manchem 20 Euro – Burgunder vergebens sucht. Trotzdem ist er trotz seiner 13,5 % (bei BITTE maximal 18 Grad serviert) meilenweit von Kompott entfernt! Er ist selbstredend kein feinsinniger Meditationswein, aber seine Aromenfülle ist dennoch bei aller Bodenständigkeit beinahe komplex zu nennen…

Zu oft reden sich vermeintliche Kenner bei dünnen deutschen Roten damit heraus, dass hier eben Eleganz und Spiel gefragt seinen und nicht nur schiere Kraftmeierei. Ich mag auch keine feisten Moppel, aber irgendetwas sollte schon passieren am Gaumen – und das ist hier ganz eindeutig der Fall! Das ist ein vollwertiger, grundehrlicher Pinot Noir für 5 Euro – eigentlich unfassbar…

Man sollte zwar stets größte Vorsicht walten lassen, aber ich rufe mein Urteil dennoch laut aus (Etwaige auf mich geworfene Flaschen ertrage ich mit Würde!) :

Das ist DER DEFINITIV BESTE SPÄTBURGUNDER für weniger als 10 Euro, den ich jemals getrunken habe! Absolute Kaufpflicht!!!

Wie die das machen und wie lange sie es noch zu diesem Preis tun können ist mit hierbei herzlich egal – nur eines ist wichtig: Es gibt ihn noch und jedermann sollte ihn ständig trinken!

Der einzige (jedoch für mich wenig relevante) Wehrmutstropfen bei der Sache ist, dass der Wein für seine paar Jährchen schon recht gereift wirkt, was ihn wohl nicht eben zu einem prädestinierten Lagerwein macht. Aber wen stört das schon bei so einem seltenen wie reuelosen Genuss? Er ist jetzt auf seinem Zenit und macht dabei einen Heidenspaß am Kamin, zum Sonntagsbraten UND in feuchtfröhlicher Runde… Kurzweil im besten Wortsinn und mit Niveau – Herz was willst Du mehr?

Daher nochmals: Kaufen und sofort trinken! Da können benickelbrillte Weinsnobs noch so biodynamisch mäkeln und mahnen – es gibt ihn doch, den geilen deutschen Pinot zum Preis einer Packung Kippen! DANKE!!!

5€ ab Hof

SCHUMANNS WEINBLOG

Tags: , , , , , , , , , , ,
0 replies

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

© Copyright - Schumanns Weinblog - Impressum