Fürst 2010 Silvaner pur mineral Franken

Ich habe eine Realitätsüberprüfung durchgeführt. Ich habe – bevor ich meine Suche nach Neuem und Individuellem fortsetzte – einen ganz großen Klassiker erneut getrunken, der in meiner Erinnerung sehr genau meinem Ideal von einem reintönigen, präzisen und frischen Weißwein entsprach:

Zu meiner großen Freude fand ich letztens im Keller eine Flasche 2010 Silvaner „pur mineral“ vom churfränkischen Weingott Fürst aus Bürgstadt, die ich vor längerer Zeit geschenkt bekommen hatte und glücklicherweise anschließend vergaß. So konnte ich meine Frühlingsgefühle ausleben und gleichzeitig die öde Wartezeit verkürzen…

Dieser „Basiswein“ des eigentlich (zu Unrecht!) fast ausschließlich als Rotweinspezialisten bekannten Superedelwinzers legt die Messlatte für alles, was da kommen mag denn auch sehr, sehr hoch!

Der Fürst, der kann nämlich auch Weißwein! Und das sogar so extrem gut, dass ich diesem seinem einfachsten Tropfen hier einen eigenen Beitrag widme:

Der „pur mineral“ ist für mich ziemlich perfekt in seiner Zurückhaltung und seiner Klarheit, ohne jedoch je steril zu wirken. Er ist, um diese Floskel abermals zu strapazieren, alles andere als ein Lautsprecher. Er will nicht beeindrucken und um jeden Preis gefallen – und tut es gerade deswegen! Denn er transportiert eine im Wortsinn glasklare Botschaft: Franken ist nicht gleich Franken und Churfranken (besser bekannt als das Mainviereck) hat extrem individuelle, ja eigentümliche Weißweine zu bieten.

Schon beim ersten Schnuppern fuhr mir dieses „Ping“ in die Nase und der Eindruck hielt an, als der erste Tropfen die Lippen benetzte: So eine edle Kühle und fast aristokratische Zurückhaltung findet man selten! Der Wein wirkt ungemein straff und präzise, alles ist auf den Punkt maßgeschneidert.

Man kann sich den „pur mineral“ am besten als einen Armanianzug vorstellen. Allerdings als einen, den man nicht im Ferrari – Autohaus trägt um endlich mal eine Probefahrt machen zu dürfen, sondern als einen edlen Zwirn, den man in einer Sushibar in der Hamburger Hafencity an hat.

Der Wein ist zunächst sogar dermaßen unterkühlt und durchgestylt, dass man kurz dazu neigen könnte, ihm einen Mangel an Seele zu unterstellen… Dieser Eindruck ist allerdings bereits nach Sekundenbruchteilen hinfällig, denn was folgt ist ein ganzer Strauß von zarten, floralen Aromen, die man überall, aber nicht in Franken vermuten würde. Hier wirkt der kühle Gentleman auf einmal geradezu mediterran (Der Bürgstädter Centgrafenberg ist die wärmste Lage Frankens!).

Fürsts Einstiegsdroge ist meilenweit – ja Lichtjahre – von der kraftvollen Erdigkeit großer Silvaner aus dem Rest des Gebietes entfernt! Er besitzt eine völlig eigenständige Stilistik, so dass ich ihn in einer Blindprobe niemals als Frankenwein identifizieren würde…

Auch die namensgebende Mineralität ist mitnichten so fordernd und salzig wie die der besten Weine aus – beispielsweise – dem Steigerwald. Auch hier ist alles klar, aber nicht zu knapp bemessen. Der „pur mineral“ steht irgendwie auf der Bremse und ruft: „Weniger ist mehr!“ Allerdings wird hier nicht ein Ferrari eingebremst, sondern vielmehr ein Aston Martin…

Paul Fürst und sein Sohn Sebastian wissen eben, was sich gehört. Angeber und Kraftmeier sind hier unerwünscht! Die sollen fette Spanier schlürfen…

Das Programm des Hauses, die Konzentration auf Präzision und Eleganz anstatt auf möglichst viel Power, kommt schon hier beispielhaft rüber. Eine bessere Werbung für die großen, ja weltberühmten Burgunder der beiden kann es nicht geben! Und sein Bruder, der Riesling „pur mineral“ soll sogar noch großartiger sein, wenn man den einschlägigen Weinführern Glauben schenken kann…

fast überall für ca. 12€ bei Eilles

SCHUMANNS WEINBLOG

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