Jakoby-Mathy 2013 Kinheimer Rosenberg Riesling Kabinett

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Blutgrätschentikitaka

 

[dropcap2]I[/dropcap2]ch möchte an dieser Stelle ganz explizit nicht über Fußball schreiben. Allerdings kann und will ich mir nicht verkneifen, den gleichermaßen hart erarbeiteten wie teilweise spielerisch leichten Siegeszug der deutschen Nationalmannschaft zum Anlass für eine sommerliche Weinempfehlung zu nehmen. Mein heutiger Kandidat – er stammt aus einem hier bei Schumanns Weinblog wohlbekannten Stall – passt nämlich in jeder Hinsicht perfekt in den postweltmeisterlichen Taumel:

Der 2013er Riesling Kabinett aus dem Kinheimer Rosenberg steht, auch wenn es etwas gewollt wirken mag, für mich absolut sinnbildlich für den modernen deutschen Fußball, ja für die gekonnte Symbiose von traditioneller harter Arbeit, tänzerischer Eleganz und neuer Lebensfreude. Dabei ist er so deutsch, wie es ein Wein nur sein kann – und das ohne jeden altväterlichen Biedersinn und tümelnde Dumpfheit. An keinem anderen Ort der Welt, als an den schwindelerregenden Steilhängen des Moselufers, entstehen solche widersprüchlichen und gleichzeitig harmonischen Weine, nirgends sonst muss schwerelose Leichtigkeit so hart erkämpft werden. Es mag kurios anmuten, aber zwischen Trier und dem Deutschen Eck bedarf es in der Tat schweinsteigerischer Haudegen, um spielerisch brillante Leichtgewichte vom Schlage eines Mario Götze zu erschaffen…

 

Jakoby-Mathy 2013 Kinheimer Rosenberg Riesling Kabinett

 

[dropcap2]W[/dropcap2]ie so oft – und wie letztlich auch beim Fußball – steht auch beim Wein der gemeine deutsche Mäkelmichel seinen eigenen Stärken weit skeptischer gegenüber, als viele seiner Mitmenschen von anderswo auf dem Globus. Ich will hier nicht erneut ein Fass zum Thema Trockenwahn aufmachen, doch komme ich nicht umhin, abermals zu erwähnen, dass man insbesondere im anglophonen Raum Weindeutschland exakt für Tropfen wie den Riesling Kabinett vom Weingut Jakoby-Mathy schätzt. Bar aller Vorurteile und ausschließlich auf den eigenen Geschmack vertrauend, scheut man sich dort nicht, just jenen Typus deutschen Weines zum relevantesten weil eigenständigsten zu erklären, der im Inland seit Jahren wie Blei in den Kellern liegt. Auch wenn es verlorene Liebesmüh ist, werde ich nicht nachlassen und von Zeit zu Zeit über derartige verkannte Perlen des heimischen Weinbaus schreiben, denn es gibt eine Entwicklung – insbesondere an der Mosel -, die mir doch Sorgen bereitet:

Die Winzerlandschaft dort droht – nicht von heute auf morgen, aber dennoch spürbar – in zwei Teile zu zerbrechen. Die eine Gruppe, die von mir viel besungenen Jungen Wilden, setzen verstärkt auf durchgegorene Rieslinge für den hiesigen Markt, während andere aufgrund ihrer Treue zur Restsüße inzwischen fast komplett für den überseeischen Kunden produzieren. Nur sehr wenige Winzer schaffen es, beide Welten gleichermaßen zu bedienen und nur ausgesprochen vereinzelt gelingt es, auf beiden Feldern wirklich auf höchstem Niveau erfolgreich zu sein.

Viele Weinfreunde werden jetzt sagen, dass sie daran nichts schlimmes finden können, solange alle einigermaßen ihr wirtschaftliches Auskommen finden. Ich persönlich halte diese schleichende Spaltung jedoch für ausgesprochen bedrohlich, denn ich würde gerne verhindern, dass auf tausenden von Hektar bester Weinbaufläche ausschließlich Exportware oder – schlimmer noch – touristische Souvenirs gedeihen, mit denen Otto Normaltrinker niemals in Berührung kommt. Wer jetzt einwendet, dass ein derartiges Szenario doch weit überzogen ist, der stammt wahrscheinlich aus dem Norden der Republik. Wer wie meinereiner in Bayern lebt, der kennt die verwunderten Gesichtsausdrücke teils erfahrener Weinliebhaber, wenn man ihnen einen klassischen Moselwein anbietet. Mich beschleicht in derartigen Situationen nicht selten das Gefühl, als läge in deren innerem Weinatlas Traben-Trarbach irgendwo zwischen dem Jadebusen und dem Polarkreis, während sie sich selbst in den Marken oder auf Sizilien wähnen…

Daher möchte ich nun kurz, abschließend und ohne erhobenen Kulturlandschaftenwahrerzeigefinger einen ganz simplen Grund aufführen, weshalb man sich auch als gefühlter Südländer gerade jetzt, nach überstandenem kollektiven Fußballsuff, ab und an einmal einen feinen Riesling Kabinett mit ordentlich Restzucker gönnen sollte: Der 2013er Riesling Kabinett aus dem Kinheimer Rosenberg vom Weingut Jakoby-Mathy ist alleine schon aufgrund seines geringen Alkoholgehalts von nur 8,5 Prozent das perfekte Mittel zur Rekonvaleszenz nach all den bierseligen Exzessen der letzten Wochen. Er beschwert das Gemüt nicht eine Sekunde lang, selbst wenn man eine halbe Flasche intus hat, ist man noch fahrfähig und seine auf den Punkt reife Rieslingfrucht sorgt in Personalunion mit einer frischen eleganten Säure und dezent mineralischen Anklängen dafür, dass man bei entsprechender Temperierung schon arg böswillig sein muss, um diesen Wein schlicht als süß zu bezeichnen…

Jakoby-Mathy 2013 Riesling Kabinett Kinheimer Rosenberg für 7,95€ bei Schumanns Weinshop

 

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