K.H. Schneider Riesling Schlossböckelheim Vulkanstein 2012 Nahe

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[dropcap2]D[/dropcap2]er Anspruch von Schumanns Weinblog soll es gewiss nicht sein, ein komplettes Bild der aktuellen Lage des deutschen Weines zu zeichnen. Es wäre schlichtweg vermessen, wenn ich tatsächlich dächte, ich könne eine derartige Sisyphosarbeit leisten und allen Entwicklungen in sämtlichen Anbaugebieten in Echtzeit auf der Spur bleiben. Realismus ist angesichts der schier überschaubaren Vielfalt an Stilen und Herkünften dringend angeraten und daher kann ich nur versuchen, eines zu leisten: Ich kann mich bemühen, immer neugierig zu bleiben und zu dokumentieren, was ich so alles trinke jahrein, jahraus. Selbstredend habe ich dabei – es wurde schon ein paarmal thematisiert – so meine Phasen, in denen ich mich bestimmten Rebsorten oder Regionen verstärkt widme, bis ich ihrer dann irgendwann wieder zumindest zeitweise überdrüssig werde. In der letzen Zeit habe ich sehr viel von den schönen Nahe getrunken, was nicht zuletzt daran liegt, dass ich erst vor zwei Monaten vor Ort war und eine Vielzahl an Eindrücken gesammelt habe, die es erst einmal zu verarbeiten gilt. In den letzten Beiträgen über die Weine dieses weit verstreuten und durchaus heterogenen Anbaugebietes habe ich mich, etwas vereinfachend dargestellt, mit Raritäten (hier, hier und hier) auseinandergesetzt, die sich weit jenseits des üblichen Erwartungshorizontes bewegen. Heute soll daher einmal wieder ein Wein Thema der Betrachtung sein, der im Nahe – Kontext weit konventioneller erscheint, obgleich er von nicht zu leugnender Klasse ist. Die Nahe ist in der Wahrnehmung der meisten Weinfreunde das Land des Riesling, ja vielleicht dessen neues Wunderland. Daran ist nichts falsch oder verengend, bei aller Begeisterung über Ausnahmetropfen aus anderen Sorten kann man nicht verhehlen, dass die besten, die gefeiertesten und nicht zuletzt auch die teuersten Weine von der Nahe Rieslinge sind. Der Riesling mag vielleicht nicht alle Teile dieses, wie gesagt wenig homogenen, Territoriums dominieren, wohl aber regiert er unangefochten in den steilen Schluchten in und um Schloßböckelheim, der Heimat unseres heutigen Kandidaten.

Der Vulkanstein Riesling aus der genannten Gemarkung ist ein abermaliger Beweis für die immer weiter fortschreitende Verfeinerung des Winzerhandwerks von Andi Schneider, der uns hier auf Schumanns Weinblog nicht zum ersten Mal mit einem hervorragenden Riesling erfreut. Neben den in unmittelbarer Nähe zum Weingut gelegenen Bad Sobernheimer Lagen, kann das Weingut Schneider seit einiger Zeit stolz darauf sein, ein Stück vom begehrten Kuchen im genannten Schloßböckelheim abbekommen zu haben. Dort nämlich, wo das Tal der Nahe sich extrem verengt und die alten Weinberge immer steiler und aufwendiger zu bewirtschaften werden, dort herrscht seit Jahren Goldgräberstimmung. Die renommiertesten Erzeuger des Gebietes sind allesamt vertreten an diesen von der Schöpfung gesegneten vulkanischen Steilhängen. Wer etwas sein will an der Nahe, wer dort überhaupt großen Riesling machen will, der muss einen Riesling aus Schloßböckelheim im Portfolio haben. Es versteht sich von selbst, dass derlei Begehrlichkeiten und der damit verbundene harte Verteilungskampf tendenziell eher den großen und finanzstarken Erzeugern in die Karten spielen, Schloßböckelheim entwickelt sich zunehmend zu einem Eldorado der prominenten Lagensammler. Um so erstaunlicher und überaus erfreulich finde ich es, dass ein aufstrebendes Weingut wie das der Schneiders hier seinen Platz gefunden hat und nunmehr mitspielt im Konzert der vulkanischen Steillagenschönheiten…

Was Andi Schneider bereits im ersten Jahrgang aus seinem neu erworbenen Weinberg herausholt, dass ist aller Ehren wert und es ist vor allem sehr typisch für die Lage: In der Nase wie im Mund deutlich reife, gelbe Frucht – man wird eindrucksvoll daran erinnert, dass der Begriff „cool climate“ ein sehr relativer ist. Dennoch wird hier nichts übertrieben, Saft und Kraft sind zwar keine Mangelware, doch ergänzen sie sich ganz prächtig mit den für einen hochwertigen Riesling obligatorischen anderen Komponenten Säure und Mineralität. Letzere vermittelt sehr schön einen tatsächlich salzigen, leicht vulkanisch – rauchigen Eindruck, der sich zwar ebenfalls nicht vorwitzig in den Vordergrund spielt, der jedoch eindeutige Rückschlüsse auf die Herkunft zulässt. Die Säure gibt sich sehr selbstbewusst, zieht sich wie ein roter Faden durch das Gesamtkonstrukt. Ich persönlich mag das beim Riesling – besonders in einem Jahr wie 2012 – schmelzsuchende Chadonnaytrinker und Sodbrenner sollten dem Wein jedoch noch ein oder zwei Jahre der Reife gönnen, um endgültig sein inneres Gleichgewicht zu finden.

Insgesamt ist der Riesling Vulkanstein aus Schloßböckeheim ein hervorragender und vor allem durchaus lagerfähiger Einstieg in die Terroir – Thematik an der Nahe, mit dem Andi Schneider die Messlatte bereits im ersten Jahrgang sehr hoch legt.

um 8€ ab Hof

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