Monsoon Valley 2011 Shiraz Hua Hin Hills Vineyard Thailand

Exotenalarm auf Schumanns Weinblog! Meine chronische Orientierungslosigkeit in der Welt des Weines teibt manchmal seltsame Büten – so seltsame, dass ich vor diesem Tropfen schon fast etwas Angst hatte… Ob ich es nicht vielleicht doch übertreibe, ob ich mich vielleicht nicht doch auf herkömlichere Anbaugebiete beschränken sollte? Ganz eindeutig nein. Dieser Thailänder war ein Treffer, denn er hat geschmeckt und ist auch ohne Raritätenbonus empfehlenswert.

Meine anfänglichen Befürchtungen gründeten sich auf dem Wissen, dass quasi die gesamte neue Weinbranche in Südostasien von so genannten „flying winemakers“ aus Australien begleitet und auch teilweise geleitet wird, also von Söldnern des interationalen Babygeschmacks. Ich erwartete folglich einen dicken, fetten und auch irgendwie süßen Standard – Shiraz im australischen Stil. Jedoch wurde ich eines Besseren belehrt: Der Wein aus dem buddhistischen Jahrgang 2554 kommt nämlich erfreulich entspannt und unangepasst daher. Er verkörpert irgendwie die sprichwörtliche Ausgeglichenheit der Thais. Ein paar hundert Jahre mehr auf dem Buckel haben dieser Kultur wohl einen Vorsprung auf diesem Gebiet verliehen. Andere, jüngere Religionsgemeinschaften sollten sich da eine gehörige Scheibe abschneiden…

Auf dem lesbaren Teil des Etiketts findet man die Information, dass die verarbeiteten Trauben vollreif gewesen sein sollen und dass der Wein nur teilweise französisches Holz gesehen habe. Diese Angaben stellten sich als komplett wahrheitsgemäß heraus: Die Nase erfreut sich beim ersten Schnuppern an herrlich unaufgeregter Plaumen- und Kirschfruchtigkeit, der Gaumen kommt nicht umhin, eine gewisse kühle Frische mit recht lebhafter Säure zu goutieren. Holz ist tatsächlich nur in kleinsten Dosen wahrnehmbar. Das alles schmeckt irgendwie eher nach „cool climate“ als nach Tropenhitze. Insgesamt ist der Monsoon Valley ein wirklich erfrischend anderer Shiraz, der sich in der Nähe seiner eleganten Rhone – Geschwister offenbar viel wohler fühlt, als im Kreise tröpfchenbewässerter Heißsporne aus Down Under…

Ob man diesen Wein trinken muss, weiß ich nicht. Allerdings sollte man es, wenn einem ernsthaft daran gelegen ist, den neuen Teil der Weinwelt differenziert zu betrachen. In Thailand werden nämlich (wie man liest, nicht nur mit diesem Wein) so einige vermeintliche Regeln ad absurdum geführt. Diejenigen europäischen und nordamerikanischen Weinsnobs, die noch vor ein paar Jahren gewisse Breitengrade auf dem Globus als unverrückbare Grenzen für den Qualitätsweinbau festlegten, werden wieder einmal Lügen gestraft. Mittlerweile gibt es nicht nur Konkurrenzfähiges aus England und Dänemark, auch die südliche Demarkationslinie wurde bis fast an den Äquator vorgeschoben.

Der menschliche Erfindungsreichtum hat offenbar in Allianz mit moderner Kellertechnik dazu geführt, dass man so ziemlich überall zumindest anständigen Wein machen kann. Es gibt präzise Daten über das Mikroklima eines jeden potenziellen Weinberges und man sucht sich allerorten die geeigneten Lagen: Im Norden die wärmsten und in den Tropen die kühlsten und trockensten. So liegen denn auch die Hua Hin Hills, aus denen unser lustiger Thai kommt, eher nördlich und hoch in einer Klimazone, die als vergleichsweise gemäßigt angesehen werden kann. Eine für europäisches, jahreszeitengeprägtes Empfinden erstaunliche Besonderheit gibt es allerdings trotzdem: Es gibt tatsächlich zwei komplette Vegetationsperioden pro Jahr, dass heißt, man könnte glatt zweimal lesen. Allerdings schenkt man sich aus gutem Grund eine Ernte während der Regenzeit und produziert nur einen normalen Jahrgang wie hierzulande. Die anderen Trauben müssen zu Gunsten der Qualität dran glauben…

Ich habe den 2011er von einem lieben Freund direkt aus dem Land des Lächelns mitgebracht bekommen. Allerdings kann man hier den 2010er auch in Deutschland für ca. 10€  erwerben – Thailand sollte man im Auge behalten….

SCHUMANNS WEINBLOG

 

 

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3 Kommentare
  1. admin
    admin says:

    Ich wollte mit diesem Artikel nur zum Ausdruck bringen, dass man mittlerweile an vielen unvermuteten Orten nach objektiven Kriterien passablen Wein herstellt. Ob es so etwas wie eine „thailändische Identität“ gibt, ist noch nicht ausgemacht. Allerdings war ich schon mal pessimistischer, denn ein namenloser Supermarktklon ist dieser Wein wahrlich nicht….

  2. Alex.
    Alex. says:

    Bin baff, Wein aus Thailand? Das wusste ich nicht. Man hört ja so manches aus China, Bordeaux Flasche, französisches Etikett mit Schriftzeichen und Chinesen, bei denen es zum guten Ton gehört das Glas auf Ex zu trinken, um somit zum Ausdruck zu bringen, dass der Wein gut ist…

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  1. […] dieser Welt geraten die wenigsten. So ist auch mir, obwohl ich mich stets besonders intensiv um Randgebiete der Weinwelt bemühe, auch komplett entgangen, dass sich etwas tut auf diesem Gebiet, dass es mittlerweile […]

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