Philipps Mühle St. Goarer Burg Rheinfels Riesling halbtrocken 2011 Mittelrhein

Schumanns Weinblog Phillips Mühle Burgrheinfels Riesling halbtrocken

von Christian Schumann

[dropcap2]E[/dropcap2]ndlich ist es soweit! Es hat eine ganze Weile gedauert, aber nun haben wir es geschafft, auf Schumanns Weinblog mindestens einen Wein aus jedem der 13 deutschen Anbaugebiete zu beschreiben. Die Tatsache, dass ausgerechnet das Weltkulturerbe Mittelrhein in diesem Zusammenhang zuletzt entsprechend gewürdigt wird, hat jedoch nichts mit Nachlässigkeit oder gar Missachtung dieser unfassbar schönen Weinlandschaft zu tun. Es war nur schlichtweg gar nicht einmal so leicht, dort einen Betrieb aufzuspüren, der von wirklich ernsthaftem Interesse für uns war. Ich will nicht falsch verstanden werden, es gibt am Mittelrhein selbstredend eine ganze Reihe von Erzeugern, die zur deutschen Oberklasse zählen, wenn nicht gar zur internationalen Spitze. Allerdings waren solche unangefochtenen Platzhirsche noch nie unser Ding, Schumanns Weinblog hat es sich zum Ziel gesetzt, neue Sterne am Weinhimmel zu entdecken und diesen eine Plattform zu bieten.

Dieses hehre Vorhaben ist jedoch nicht in allen Regionen gleichermaßen leicht zu realisieren. Während man beispielsweise in Rheinhessen das Gefühl hat, dass beinahe an jeder Ecke ein junger Geisenheimabsolvent, der eben das väterliche Weingut gehörig auf Vordermann bringt, lauert, ja dass man diese Talente pflücken kann wie reifes Obst, tut man sich damit andernorts erheblich schwerer. Gerade der Mittelrhein ist eben in keinerlei Hinsicht eine expansive Region. Die Rebfläche schrumpft zwar nicht mehr so stark (oder vielleicht mittlerweile gar nicht mehr?), doch die Zeiten zwischen Lorchhausen und dem Siebengebirge waren weiß Gott schon einmal glorreicher…

Es wurden in den letzten Jahrzehnten unzählige qualitativ hochwertige Steillagen aufgegeben, weil ihre Bewirtschaftung einfach nicht mehr rentabel war. Man kann offenbar bis in unsere Tage am Mittelrhein in der Breite schlicht nicht die Preise für seine Weine erzielen, derer es bedarf, um ein Weingut am Laufen zu halten. Natürlich gab und gibt es diese Misshelligkeiten auch etwa an der Mosel, aber dort scheint man nichtsdestotrotz eine Schritt weiter zu sein. Wer konsequent auf Qualität und individuelle Klasse setzt und dies entsprechend zu vermarkten imstande ist, der kann mittlerweile auch ohne großen Namen und fettes Schiefer – Chateau mit Moselriesling Geld verdienen. Im Gegensatz zu den althergebrachten Granden des Fachs bedienen solche Newcomer nicht überwiegend den süßen Durst der Exportmärkte, nein, sie haben sich gerade im trockenen oder maximal feinherben Bereich aufgestellt und setzten das Gros ihrer Produktion auf dem Inlandsmarkt ab. Am Mittlerhein muss man solche jungdynamischen Unternehmungen zwar beinahe noch mit der Lupe suchen, aber es gibt sie, die Qualitätsfanatiker und Reformer aus der vielzitierten zweiten Reihe. Ich möchte heute mittels eines absolut klassischen und gleichermaßen mutigen Rieslings einen solchen Betrieb vorstellen – weitere Beiträge werden folgen…

Das Weingut Philipps Mühle liegt in St. Goar, unweit des berühmten und oft besungenen Loreley – Felsens und es war tatsächlich bis vor kurzem ausschließlich das, was sein Name schon andeutet, also eine Mühle. Weinbau betreibt man dort schon länger im Nebenerwerb, allerdings haben die beiden Söhne des Hauses der ganze Angelegenheit in der jüngsten Vergangenheit so richtig Schwung verliehen. Mittlerweile bewirtschaftet man 3,7 ha Reben in teils atemberaubenden Steillagen, die zu 90 Prozent mit Riesling bestockt sind. Den Rest nimmt der viel geschmähte Müller – Thurgau ein, der sich hier jedoch dank seinen unverbindlichen Fruchtigkeit und schönen Säurefrische auch durchaus sehen lassen kann. Heute soll es jedoch um einen Riesling gehen, der – nach Verkostung des gesamten Sortimentes – für mich recht beispielhaft für die Stärken des jungen Winzer – Zweigestirnes sowie des Mittelrheintales an sich steht:

Der halbtrockene Wein aus der Großlage Rheingrafenberg (nicht viele ambitionierte Weinmacher verwenden solche Namen noch) ist tatsächlich ein ausgesprochen charakterstarker, würziger Wein, der die Mittellage seiner Heimat zwischen moselanischer Präzision und Frische, sowie rheingauer Fruchtfülle und Opulenz auf den Punkt bringt. Er gehört zur hauseigenen Mittelklasse und bietet hierfür sehr, sehr viel Riesling für einen vergleichsweise geringen Obulus:

In der Nase schlägt die Verwandschaft stromaufwärts durch, ein ganzer Korb gelber Früchte verheißt einen hohen Grad an Reife. Dies alles ist jedoch unterlegt von einer untergründigen Kräuterwürze und mineralischen Festigkeit, die die sich ankündigende Süße fast komplett vergessen machen. Im Mund dann beispielhaftes, vielleicht moselähnliches Süße – Säurespiel und ein ganzes Maul voller Saft und Frucht. Der erste Eindruck ist insgesamt ausgesprochen rund und gewinnend, jedoch ist keine Spur von überreifer Trägheit zu erschmecken. Alles ist auf den Punkt balanciert – dazu tragen auch die überaus lebhafte, Appetit machende Säure, sowie das stabile schiefermineralische Gerüst bei, das das harmonische Gesamtbild immer im Gleichgewicht hält. Der Burg Rheinfels verabschiedet sich vor seiner Reise ins Körperinnere dann tatsächlich viel komplexer und anspruchsvoller, als man es zunächst vermutet hatte…

Das Weingut Philipps Mühle steht ab sofort auf meiner persönlichen Watchlist ganz weit oben – und das nicht nur am bisher so stiefmütterlich behandelten Mittelrhein… Ich bewundere die aufrechte Haltung der beiden weinmachenden Brüder, die sich nicht nur trauen, zu oft vergewaltigte Großlagennamen auf die Etiketten zu schreiben, sondern die zudem nicht davor zurückschrecken, den zunehmend unbeliebten Begriff „Halbtrocken“ zu verwenden. Wer derart gute und geradlinige Weine erzeugen kann, der kann sich solcherlei vermeintlich antiquierte Termini erlauben, denn um Vorverurteilungen von verbohrten Trockentrinkerseelen muss er sich nicht scheren…

Leider ausverkauft, aber den trockenen 2012er gibt es bei Schumanns Weinshop!

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3 Kommentare
  1. Gaston
    Gaston says:

    Als bekennenden Mittelrhein-Fan freut mich dieser Beitrag. Weine vom Weingut Phillips Mühle hatte ich in der Vergangenheit einige probiert und fand sie immer gut, ohne dass sie allerdings einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätten. Kein Geheimtipp, aber ein sehr interessanter und meiner Meinung nach unterschätzter Winzer am Mittelrhein ist Randolf Kauer.

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  1. […] durchaus Landstriche in Weingermanien, an denen der Kelch des Aufstiegs bislang, von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen, vorüberging. Der Mittelrhein, Weltkulturerbe von Ehrfurcht gebietender Schönheit und […]

  2. […] komfortablen Situation befindet, schon vor längerer Zeit einmal im Zusammenhang mit einem anderen wunderbaren Riesling beleuchtet. Dennoch möchte ich noch einmal kurz auf die recht missliche Lage der dortigen Winzer […]

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