Piemont – Spaß mit dem kleinen Bruder

26 Apr
26. April 2017
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Damilano 2014 Langhe Nebbiolo „Marghe“

 

Ich bin ganz gewiss kein Experte für italienischen Wein im Allgemeinen und erst recht nicht für Piemonteser im Speziellen. Ich durfte zwar in den letzten Jahren in unregelmäßigen Abständen zu diversen Anlässen einige große Barolos und Barbarescos verkosten und schätze seit jeher anständig gemachte Dolcettos und Barberas als zumeist im Wortsinne preiswerte Begleitungen meiner dünn gesäten Ausflüge in die Welt der italienischen Küche.

Eine wirkliche Meinung zum Nebbiolo, der ebenso mystisch verklärten wie oftmals widerborstig auftretenden Barolo- und Barbaresco-Traube, konnte ich mir bis dato jedoch noch nicht bilden, auch wenn ich zu meiner eigenen Überraschung tendenziell eher die so genannten „Modernistas“ mit ihren im Barrique ausgebauten und daher früher zugänglichen Kreszenzen präferiere. Zu unerbittlich tanninhart und die Geduld auf die Probe stellend kommen in meinen Augen die Traditionalisten daher…

Auch wenn manch ein eingefleischter Italotrinker mir nun nicht gänzlich ohne Fug und mit ein klein wenig Recht riesling- und burgunderbedingtes Weicheiertum unterstellen mag: Für mich bleibt das Trinken von Wein primär eine genussvolle, ja bestenfalls wollüstige Tätigkeit und keine intellektuelle Selbstkasteiung oder gar hormonschwangeres Männlichkeitsgebaren. Daher geht für meinereiner – etwas flapsig gesagt – Nebbiolo nur in etwas gemilderten, sinnenfroheren Varianten, wie beispielsweise den berühmten Barolos von Elio Altare, die ich vor einigen Monaten verkosten durfte.

Im Gegensatz zu diesen auch schon in jungen Jahren durchaus angenehmen, ja irgendwie gezähmten Monstern wirkte selbst mein bis dato auf dem Papier bei weitem größter traditioneller Barolo – immerhin der legendäre 1971er Barolo Monfortino aus der Hand von Giacomo Conterno – wie eine flüssige Nervensäge, die bei aller objektiv vorhandener Klasse mein Herz nicht erobern konnte und dies in diesem Leben wohl auch nicht mehr tun wird…

Der zweifelsohne weit einfacher strukturierte Langhe Nebbiolo „Marghe“ aus dem bekannten Haus Damilano ist – um endlich zum Gegenstand der heutigen Betrachtung zu kommen – meiner Ansicht nach so etwas wie ein Vertreter eines gemäßigten, irgendwie bedachten Modernismus. In der Nase keinerlei Eichen-Einheitsbrei ohne Sorten- oder Herkunftsbezug, sondern zwar saftige Beerenfrucht und ein Touch Holz, alles jedoch beherrscht von einem herrlich einnehmenden Veilchenduft, dem Identifikationsmerkmal des Nebbiolo schlechthin.

Im Mund dann zunächst ein ansprechender, moderner Rotwein ohne jede überzogene Härte mit zwar präsenten, jedoch feinen und allgemeinverträglichen Tanninen sowie recht üppiger dunkler Primärfrucht. Dennoch wurde diesem schönen kleinen Piemonteser seine sortentypischen Ecken und Kanten nicht zur Gänze mittels Kellertechnik abgeschliffen: Eine wunderbar belebende Säure sorgt für Spiel, Trinkfluss und eine gewisse Leichtigkeit, wie man sie bei einem doch recht kapitalen Brocken mit vollen 14 Volumenprozent nicht unbedingt erwartet.

ca. 13 Euro bei Mercato Di Dio in Nürnberg

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