Ruppert-Deginther Hesslocher Schwarzriesling 2012 Rheinhessen

Ruppert-Deginther_Schwarzriesling_2012

 

[dropcap2]Z[/dropcap2]u Beginn der neuen Woche verschlägt es mich schon wieder nach Dittelsheim-Heßloch in Rheinhessen. Heute führt uns unsere virtuelle Tour einmal wieder – das war längst überfällig – zu einem alten Bekannten auf Schumanns Weinblog, den ich hier und hier bereits vor fast einem Jahr in Zusammenhang mit seinen unkomplizierten und sympathischen Basis – Rotweinen gewürdigt habe. Vor ein paar Tagen habe ich erneut Post vom Weingut Ruppert-Deginther bekommen – insgesamt drei Flaschen mit ausschließlich rotem Inhalt, die ich in den nächsten Tagen allesamt ausführlich vorstellen möchte. Der geneigte Leser darf sich in diesem Zusammenhang auf allerlei erfreuliche Überraschungen einstellen, denn der Inhalt des Paketes hat es geschafft, gleich mit zwei hartnäckigen Vorurteilen aufzuräumen.

Die aktuell verkosteten Rotweine vom Weingut Ruppert-Deginther belegen nämlich einerseits einmal mehr, dass auch und gerade auf deutschem Boden gute und eigenständige Rotweine aus Sorten entstehen können, die dem Weintrinker von Welt landläufig nur ein müdes Lächeln abringen. Auf der anderen Seite werde ich im Rahmen dieser kleinen Serie aufzeigen, dass meine Wenigkeit künftig noch vorsichtiger bei der Beurteilung von Jahrgängen sein sollte. Es kann also spannend werden, daher möchte ich gleich mit dem ersten Tropfen beginnen, seines Zeichens dem auf dem Papier vermeintlich geringsten innerhalb des rheinhessischen Dreigestirns:

Eigentlich ist der Schwarzriesling (französisch Pinot Meunier) alles andere als ein Fixstern am Rotweinhimmel. Lediglich in Württemberg und in Tauberfranken ergibt er – so jedenfalls die offizielle Lesart – vereinzelt mehr als nur banale Trinkweine. In ihrer Heimat wird die Traube überhaupt nicht sortenrein ausgebaut, sie fließt quasi als Arbeitstier in viele noble Cuvées der Champagne ein, wo sie jedoch stets etwas im Schatten ihrer glorreichen Partner Pinot Noir und Chardonnay steht. Dennoch lohnt es sich, wie ich jetzt weiß, im Schwarzriesling mehr als einen schlichten Sektgrundwein zu sehen. Die Rebsorte hat durchaus ihre Vorzüge – ein Verdienst, das nicht zuletzt dem Weingut Ruppert-Deginther gebührt. Wenn man den Schwarzriesling so handhabt wie Juniorchef Justus Ruppert, dann kann er Tropfen ergeben, die, leicht gekühlt genossen, besonders zu Gegrilltem gänzlich untriviale Freude bereiten. Auch der Schwarzriesling von Ruppert-Deginther ist freilich alles andere als ein schweres und Ehrfurcht einflößendes Monument, das nach Jahren der Fassreife und weiteren des Zögerns und Zauderns erst aus dem Keller geholt und gewissenhaft dekantiert wird, wenn es gilt, die Schwiegereltern an hohen kirchlichen Feiertagen gütig zu stimmen. Man sollte ihn zu Anlässen servieren, die nach etwas jungem, fruchtigem und unverfänglichem verlangen, besonders wenn es eigentlich zu heiß für die richtig dicken Brummer ist und man nichts beweisen muss. Außer, dass man einen guten Geschmack hat…

Unsere Eltern hätten in ihrer ganzen lebenserfahrenen Weisheit  in solchen Momenten anstatt eines einheimischen Schwarzrieslings gewiss einen ordentlichen Beaujolais kredenzt. Doch wozu in die Ferne schweifen, wenn es in Rheinhessen solche fröhlichen roten Lustweine gibt, die noch dazu das Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben? In der Nase sogleich vielversprechende Frische und heitere Beerenfrucht satt, die durch nichts traubenfremdes wie Holz getrübt wird. Man kann das, wenn man stets ausschließlich auf der Suche nach inellektuellen Weinikonen ist, als etwas eindimensional abtun, doch ich empfehle dringendst, sich ohne jede Voreingenommenheit auf diesen heiteren Reigen einzulassen! Der Schwarzriesling von Ruppert-Deginther ist nämlich einer jener seltenen Tropfen, die ganz offen und ehrlich zum sofortigen und massenhaften Trinken geschaffen wurden und dies auch nicht zu verleugnen brauchen. Im Mund zeigt er warum: Saftige rote Beeren, herrlich kühl und ohne jede Spur der Schwerfälligkeit und Überreife, sanfte Tannine und eine ungeheuer trinkanimierende Säure sowie ein Anflug von Gartenkräutern. Ich sage es noch einmal mit Nachdruck: Das klingt alles verdammt gefällig und süffig-banal, ist es aber nicht, denn unser Schwarzriesling wartet zudem mit einer Geschmacksnote auf, die ich bisher noch bei keinem anderen Rotwein so deutlich ausgeprägt vorgefunden habe: Er erinnert stark an genau die Blaubeeren, die man als Kind im Wald direkt vom Busch gepflückt hat. Für mich waren das immer die besten und leckersten aller Früchte, weshalb ich mich unmittelbar genötigt sah, die Flasche in Kindheitserinnerungen schwelgend auszutrinken…

Ich möchte den geneigten Leser nochmals darauf hinweisen, dass der Hesslocher Schwarzriesling von Ruppert-Deginther in meinen Augen deutlich gekühlt serviert werden sollte und man keinesfalls zu sparsam bei der Anschaffung sein darf. Ich bin wahrlich kein Rotweintrinker in der heißen Jahreszeit, aber hier mache ich gerne eine lustvolle Ausnahme…

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  1. […] Dittelsheim-Heßloch ganz offensichtlich nicht zuletzt ein Händchen für ansonsten eher belächelte Varietäten. Ich habe neben dem kürzlich veröffentlichten Artikel schon einmal vor gut einem Jahr – und […]

  2. […] Beiträgen über Weine aus der rheinhessischen Gemeinde Dittelsheim-Heßloch (hier und hier) heute abermals einen Tropfen von eben dort vorstelle, widerspricht diesem hehren Grundsatz, anders […]

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