Schumann unterwegs: Moselwoche für Fortgeschrittene Teil 2

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Loblied des Wahnsinns und ein Ausklang nach Maß

 

[dropcap2]D[/dropcap2]en vorerst letzten Stopp in Trittenheim legten mein inzwischen geradezu euphorisierter Begleiter – bis dato ein fast reinrassiger Pfalz-Trinker – und meine Wenigkeit beim bereits erwähnten Weingut Clüsserath-Weiler ein. Neben der mehr als ansehnlichen Weinen der Hausherren – dazu später mehr – und den begeisternd charakterstarken, spontan vergorenen Rieslingen des ebenfalls ortsansässigen Weinguts Schmitt-Rodermund , gilt es in diesem Zusammenhang aus meiner Sicht – und im vollen Bewusstsein der totalen und sträflichen Verkürzung – vor allem eine unglaublich selbstgewisse, drastisch herkunfts- und jahrgangsgeprägte Versteigerungs-Spätlese vom Saar-Weingut Von Hövel zu würdigen, die für mich eine vor allem im fruchtsüßen Bereich auch ansonsten denkwürdige Riesling-Reihe anführte. Inhaber Maximilian von Kunow brachte den Charakter dieses Weines für die Ewigkeit so gekonnt auf den Punkt, wie man es nur tun kann, indem er bemerkte, dass gerade das eben die Saar sei und er ganz gewiss keine Kindergartenweine anstrebe…

Da mein Magen sich gottlob einmal mehr als ausgesprochen säureresistent erwies, gelang es uns nach einem kurzem Imbiss gegen Nachmittag nun doch noch, Trittenheim zumindest für eine Weile im regelmäßig verkehrenden Pendelbus zu verlassen. Weit kamen wir jedoch nicht, denn bereits im benachbarten Neumagen-Dhron lauerte die nächste Versuchung, die es mehr als in sich hatte…

Neben den beiden jungen Aufsteigern Mattias Meierer aus Kesten und dem allen Lesern von Schumanns Weinblog seit längerem bekannten Gerrit Walter aus Briedel, stellte dort nämlich ein blutjunger, etwas kryptisch Pinot Projekt genannter Betrieb seine Kollektion vor, die, man höre und reibe sich erstaunt die Augen, aus exakt einem einzigen Wein besteht, für den es bis dato nur einen Arbeitsitel und noch kein druckreifes Etikett gibt. Verantwortlich für diese unkonventionelle Herangehensweise zeichnen Yquem Viehhauser und Daniel Twardowski, die in den letzten Jahren keinerlei Kosten und Mühen gescheut haben, um ihrem Ziel, der Erzeugung eines wahrhaft großen Mosel-Pinot Noirs, näher zu kommen.

In Neumagen wurden inzwischen über zwei Hektar mit allerfeinsten burgundischen Klonen bepflanzt, der bei Mythos Mosel vorgerstellte 2011er beweist selbst dem größten Skeptiker, dass es den jungen Herrschaften verdammt ernst ist und sie auf ihrem Weg schon sehr weit fortgeschritten sind. Ich für meinen Teil war begeistert ob des Mutes, der Hingabe und des definitiv vorhandenen positiven Wahnsinns und behalte mit daher vor, in nächster Zeit einen ausführlichen Beitrag über das famose Erstlingswerk des Pinot Projektes zu verfassen…

Da sich nach gut zwei Stunden in Neumagen-Dhron nicht nur der abendliche Himmel zu verdunkeln begann, sondern auch mein Bewusstsein, kehrten wir mit einem der letzten Busse zurück nach Trittenheim, wo ich – selbstverständlichn nur der Vollständigkeit halber – meinen geschundenen Leib noch kurz vor Ende der Veranstaltung zum Weingut Eifel-Pfeiffer schleppte, während meine Begleitung im Hotel ihre Wunden leckte.

Dort angekommen konnte ich mich nicht nur von der hohen Güte der hauseigenen Gewächse überzeugen, ich bekam zudem die Gelegenheit, meinen ganz persönlichen Tag bei Mythos Mosel mit einigen der schlicht schillernd perfekten Rieslinge vom Weingut Fritz Haag ausklingen zu lassen. Zumindest dachte ich das zu diesem Zeitpunkt…

 

Fährfels und Schweinebacke

 

[dropcap2]Z[/dropcap2]um Abendessen fand ich mich samt meines wiedererstarkten Flügelmanns abermals beim Weingut Clüsserath-Weiler ein, wo der zum rustikal-nobeln Borstenvieh kredenzte trockene Riesing aus der Trittenheimer Apotheke offenbar Wunder hinsichtlich meiner zwischenzeitlich ein wenig eingeschlafenen Kommunikationsfähigkeit wirkte. So entwickelte sich recht bald nach dem Essen eine angeregte Unterhaltung mit der Hausherrin und ihrem famos aufkochenden Gatten, die letztlich zur Folge hatte, dass wir bis deutlich nach Mitternacht im engen Kreis mehrere gereifte Jahrgänge des feinherben Flaggschiffs der Clüsseraths, dem Riesling Fährfels aus über 100jährigen Reben, verkosten durften.

Mein persönliches Fazit der ersten und gewiss nicht letzten Ausgabe von Mythos Mosel ist daher – auch wenn ich nicht so weit herumgekommen bin, wie ich es ursprünglich vorhatte – fällt gänzlich positiv aus: Kurzweilige Veranstaltungen wie diese sind in meinen Augen eine geradezu optimale Werbung für den Wein einer Region, die es zumindest beim süddeutschen Weinfreund noch immer recht schwer hat. Das auf meinen Stationen vorgefundene Niveau war – auch wenn ich mich wiederhole – mehr als beachtlich un stimmt mich ausgesprochen zuversichtlich für die Zukunft des schönsten aller Rieslingflüsse…

Teil 3 folgt in der nächsten Woche!

 

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