Sebastian Schneider Steillagen Riesling 2012 Mittelrhein

18 Jun
18. Juni 2013
Print Friendly

S.Schneider_Riesling_Steillage_2012

 

Der Mittelrhein in der Krise? Das war gestern!

Ich habe die unangenehme, aber nicht zu leugnende Tatsache, dass sich der Weinbau am Mittelrhein dieser Tage nicht eben in einer komfortablen Situation befindet, schon vor längerer Zeit einmal im Zusammenhang mit einem anderen wunderbaren Riesling beleuchtet. Dennoch möchte ich noch einmal kurz auf die recht missliche Lage der dortigen Winzer jenseits der etablierten Stars der Branche eingehen. Ich tue dies allerdings nicht, um Trübsal zu blasen oder gar den geneigten Leser zu Mitleidskäufen zu bewegen, sondern weil es aus meiner Sicht allerhand gute Neuigkeiten von den Steillagen dieses vielleicht pittoreskesten aller deutschen Anbaugebiete zu vermelden gibt.


Das Darben und teilweise Sterben alter und hochwertiger Weinberge ist zwar noch nicht gänzlich zu einer Randnotiz der wechselhaften Geschichte der Region geworden, aber es geht zumindest punktuell voran. Meine liebsten Jungwinzer am Mittelrhein, die ambitionierten Philipps – Brüder vom Weingut Philipps Mühle in St. Goar haben in den letzten Monaten nämlich sogar damit begonnen, einen seit Jahren brach liegenden Weinberg zu rekultivieren. Der Arbeitsaufwand ist immens, denn die betreffende Parzelle ist extrem steil und nur in gnadenlos anstrengender Handarbeit zu bewirtschaften. Ich war vor ein paar Wochen selbst vor Ort und habe geflissentlich darauf verzichtet, die Fläche näher in Augenschein zu nehmen – selbstverständlich nur aufgrund meines mangelhaften Schuhwerks…

Natürlich ist mir bewusst, dass der Erfolg der genannten Jungwinzer – ohne einen solchen wäre nämlich nicht an eine Erweiterung der Anbaufläche zu denken –  kein Massenphänomen ist und dass der Mittelrhein als Ganzes wohl kaum spürbar wachsen wird. Aber man muss schon mit einiger Blindheit geschlagen sein, um nicht zu erkennen, dass sich etwas tut und dass diese positive Entwicklung in erster Linie aufstrebenden Betrieben geschuldet ist, die von Grund auf vieles anders und in jedem Fall alles besser machen wollen als die letzten Generationen.

 

Die Gipfelstürmer – Eine Frischzellenkur für den Mittelrhein

 

Zwar stellen die genannten kongenialen Geschwister nicht zuletzt durch ihre Erwähnung in diesem hoch informativen Buch ganz offensichtlich die Speerspitze dieser Hoffnung gebenden Bewegung dar, doch auch andernorts scheint die frische Saat mittlerweile aufzugehen. Seit einiger Zeit gibt es die Winzerinitiative Gipfelstürmer, der neben der Philipps Mühle noch einige andere aufstrebende Qualitätsversessene der jungen Generation angehören. Man hat innerhalb dieses Zirkels erkannt, dass das gemeinsame Ziel – die Wiederherstellung des vormals guten Rufes des Mittelrhein als Heimat großer Rieslinge – am besten gemeinsam zu erreichen ist und gibt sich daher erfreulich altruistisch und unverbohrt. So kann man beispielsweise in der gut besuchten Vinothek der Philipps Mühle, gleich gegenüber der oft abgelichteten und noch häufiger romantisch verklärten Loreley, die Tropfen sämtlicher Mitgliedsbetriebe trinken und auch käuflich erwerben. Man zieht unter den Newcomern am Mittelrhein an einem Strang – das alleine ist schon eine gute Nachricht…

 

Sebastian Schneider – So schmeckt die Zukunft

 

Die weitaus wichtigste Botschaft, die die Gipfelstürmer transportieren, ist jedoch, dass nicht das Marketing und der Wille zur Kooperation alleine es sind, die den neugierigen Weinfreund wieder verstärkt zu Gewächsen vom Mittelrhein greifen lassen. Die Weine selbst halten nämlich durch die Bank jeder noch so kritischen Begutachtung stand. Für mich findet hier nicht mehr und nicht weniger als eine leider noch immer viel zu wenig beachtete Revolution statt!

Wir von Schumanns Weinblog haben am letzten Wochenende in heiterer Runde ein Probierpaket eines weiteren und uns bis dato unbekannten Gipfelstürmers verkostet (und restlos geleert) und waren mehr als angetan von dem, was wir da in den Gläsern hatten. Der Auserwählte war der junge Herr Sebastian Schneider vom gleichnamigen Weingut in Bad Hönningen, dessen Einsendungen ich höchstwahrscheinlich alle in separaten Artikeln behandeln werde. Bevor ich zur konkreten Beschreibung seines trockenen Basis-Rieslings komme, will ich jedoch noch etwas grundsätzliches zur Stilistik seiner Tropfen schreiben, die – den Erzeugnissen seiner Mitstreiter nicht unähnlich – eine ganz eigene Sprache sprechen. Alles was ich bisher von Sebastian Schneider verkosten durfte, steht beispielhaft für die Lage des Mittelrhein genau zwischen den beiden großen Antipoden Mosel und Rheingau. Die Frucht sämtlicher Weine ist reif und rund wie zwischen Hochheim und St. Goarshausen, ohne jedoch allzu üppig und aufgesetzt royal zu geraten und die Säure bildet das fast schon moselansisch anmutende, kraftvoll-spritzige Rückgrad, das für die Balance unverzichtbar ist. Allerdings ist der moderne Mittelrhein – Wein, für den nicht zuletzt Herr Schneider steht, deutlich mehr als nur ein hübsches Hybridwesen aus den besten Eigenschaften der beiden Riesling – Primadonnen. Ich meine tatsächlich bereits nach ein paar Flaschen dieser zukunftsträchtigen Weine ein gewisses Alleinstellungsmerkmal auszumachen, das sich derartig verkürzenden Vergleichen entzieht:

Alle Tropfen von Sebastian Schneider (und auch der Philipps Mühle) sind extrem präzise, klar wie Gebirgsbäche und und bereits in den unteren Qualitätsstufen derart deutlich von mineralischen Noten geprägt, dass es eine wahre Freude ist. Wenn das – und ich hoffe inständigst darauf – ein repräsentativer Blick in die Zukunft der Region ist, dann mache ich mit keine Sorgen um den Mittelrhein! Besonders junge und interessierte Weinfreunde ohne altväterliche Scheuklappen werden dann nämlich ihr Trinkverhalten maßgeblich ändern und Weinen wie dem Riesling Steillage von Sebastian Schneider künftig mehr als nur eine Chance geben…

 

Steillagen Riesling 2012 trocken

 

Augenscheinlich ist sich nicht nur meine Wenigkeit des Beispielcharkters dieses Weines bewusst, denn Herr Schneider fasst bereits auf dem Etikett treffend die Quintessenz seiner Heimat und seines ganzen Stebens trefflich zusammen. Das ist ambitioniert, doch es erweist sich schnell, dass es nicht zu hoch gegriffen ist. In der Nase packt der Steillage denn auch gleich richtig zu und hält den Beschnupperer für einen „kleinen“ Wein bemerkenswert lange gefangen. Charmante und, wie schon angekündigt, extrem klare und reintönige Rieslingfrucht werden von einer ebenso perfekt bemessenen Frische und Kühle aufgewogen, so dass man irgendwann einfach nicht anders kann, als seinen Durst in großen Schlucken zu stillen. Im Mund dann ein Bild von einem jungen Riesling mit jeder Menge Steinobst und knackiger Zitrusfrucht und dazu – damit keine Langeweile auf hohem Niveau aufkommt – eine deutlich salzige, ungemein spannende Schiefer-Mineralik. Bereits dieser Einstieg in die Welt von Sebastian Schneider (und damit in die gesamte Thematik „Neuer Mittelrhein“) ist ein überaus gelungenes und zeitgemäßes Statement für gradlinige, herkunftsbezogene Tropfen des 21. Jahrhunderts ohne altmodische Schnörkel und ornamentalen Kitsch, aber eben auch ohne jede artifizielle Sterilität.

Man kann als erklärter Freund des deutschen Weines und seiner regionalen Vielfalt Herrn Schneider und seinen Mitstreitern nur alles erdenklich Gute auf ihrem im Wortsinne steinigen Weg wünschen. Noch betreibt Sebastian Schneider sein Weingut im Nebenerwerb auf gerade einmal 2,5 Hektar, doch angesichts der Güte seiner Erzeugnisse darf man hoffen, dass dies nicht ewig so bleiben wird. Ich für meinen Teil bin diesbezüglich zuversichtlich, denn eingeweihte Spatzen haben von den Dächern gepfiffen, dass auch hier eine Erweiterung der Fläche ansteht. In diesem Sinne: Berg Heil!

5,60€ ab Hof

Follow on Bloglovin

www.schumanns-weinblog.de

 

 

 

 

    

Tags: , , , ,
0 replies

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

© Copyright - Schumanns Weinblog - Impressum