Beiträge

Weingut Schwegler: Schwäbische Edelsteine

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Meine neue Lust auf mehr – Kraftgewächse aus dem Remstal

 

[dropcap2]I[/dropcap2]ch beneide Menschen, die immer genau wissen was ihnen schmeckt, mindestens so sehr, wie ich ihnen misstraue. Geschmack ist zumindest bei mir eine äußerst instabile Größe. Freilich neige ich beim Wein – von anderen Dingen soll hier ja nicht die Rede sein – tendenziell zu, auch in größeren Mengen trinkbaren, bestenfalls frischen und optimaler Weise eleganten Tropfen. Ab und an jedoch, besonders wenn ich wie derzeit eine Menge junge Weine des aktuellen Jahrgangs verkosten darf oder muss, zieht mich mein innerer Wankelmut auf die fettere, ja die eingängigere Seite. Ich will dann Wein, der nicht erst lange ergründet werden muss, sondern solchen, der einen beim ersten Schluck umhaut und von Anfang an klar macht, dass er verdammt nochmal der Chef im Ring ist… Weiterlesen

Weingut A. Schwegler 2010 Beryll

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Kultwein? Drittwein!

 

[dropcap2]E[/dropcap2]s gibt wohl kaum eine Weinspezies, die beim modernen Genussdeutschen mehr verpönt ist, als der „Kultwein“. So etwas trinken in politkorrekten Augen nur noch präpotente SUV-Kapitäne mit Männermagazinabo und Luxusversandhaus-Bauchwegtrainer oder stinkend reiche Russen und Chinesen. Mit Cola und zwielichtigen Geschäftspartnern in noch zwielichtigeren Nachtbars… Weiterlesen

Weingut Poss: Royale Grauburgunder von der Nahe

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Die Königninnenmacher von der Burgunderinsel

 

[dropcap2]D[/dropcap2]ie Nahe ist vielleicht das komplizierteste aller deutschen Anbaugebiete. Was bei eingefleischten Weinverrückten Begeisterungsstürme auslöst, das kann beim nicht mit sämtlichen Großen Gewächsen gewaschenen Konsumenten schon mal für Kopfzerbrechen sorgen: Die Nahe steht für weit mehr, als für große Rieslinge auf Augenhöhe mit dem Rheingau und der Mosel, die Nahe zeichnet sich nicht zuletzt durch einen extrem kleinteiligen Flickenteppich unterschiedlichster Böden und eine große Vielfalt an Rebsorten aus. Den einen Nahewein wird man nicht finden, man hat es vielmehr mit einem geradezu babylonischen Gewirr verschiedenster Ausdrucksstile zu tun, das nicht nur in Deutschland seinesgleichen sucht… Weiterlesen

Max Schell Spätburgunder Grand Max’s unfiltriert 2010 Ahr

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Wenig Schall, viel Rauch – Warum ich die Ahr liebe

 

[dropcap2]E[/dropcap2]s ist wohl ein typisch süddeutsches Schicksal, aber mein Kontakt zu den Weinen von der Ahr hält sich in recht engen Grenzen. Sämtliche dortige Winzer diesseits der richtig dicken Fische, mit denen ich bislang Kontakt hatte, bestätigten mir, dass diese Wahrnehmung durchaus auf dem harten Boden der Realität fußt, denn ihr Vertriebsgebiet endet weitestgehend an der Mainlinie. Weiterlesen

Realitätsüberprüfung: Spätburgunder im deutschen Herbst

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Gegen die Betriebsblindheit antrinken

 

[dropcap2]W[/dropcap2]er wie meinereiner fast sein komplettes Augenmerk auf Nischenweine von kleinen und im besten Fall aufstrebenden Winzern legt, der läuft – bei aller Leidenschaft für seine Sache und allen positiven Überraschungen – letztlich permanent Gefahr, den Blick für das große Ganze zu verlieren. Man muss sich als Suchender in den Straßengräben der ausgetretenen Weinpfade immer dessen bewusst sein, dass man in einer Grauzone zwischen ganzen Seen voller namenloser Standardprodukte und der allgemein anerkannten Spitze der Pyramide agiert und sollte es daher tunlichts unterlassen, nicht auch ab und an von den Extremen ober- und unterhalb seiner Zielgruppe zu kosten… Weiterlesen

Ruppert-Deginther Dornfelder Liebfrauenberg 2010 Rheinhessen

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Dornfelder – alles kann, nichts muss

 

[dropcap2]M[/dropcap2]it dem Wetter hat sich sozusagen über Nacht auch mein Gemüt beruhig und ich will heute dem geneigten Leser einen weiteren hervorragenden Rotwein aus dem Hause Ruppert-Deginther vorstellen, den auch ich zur Erreichung wollüstiger Zustände nicht unter die von mir favorisierte Marke von 16 Grad kühlen muss. Das mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen, denn dieser Kraftprotz aus dem kleinen Holz ist aus einer Rebsorte bereitet, deren Ankömmlinge man gewöhnlich zur Vermeidung gruseliger Kitschattacken gar nicht kalt genug trinken kann. Der Dornfelder hat beim kultivieren Weinfreund und bekennenden Nichtrauschtrinker einen denkbar miesen Ruf – eine Tatsache die nicht selten wohl begründet ist und an der auch der noch immer anhaltende, wundersame kommerzielle Erfolg der Traube rein gar nichts ändern kann. Da ich stets versuche, nicht allzu voreingenommen durch die deutschen Weinlande zu kurven, habe ich dennoch ab und an einmal einen Dornfelder im Glas und – man höre und staune – nicht nur schlechtes über die Sorte zu berichten.
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