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Wein des Monats November 2013: Butz Merlot 2011 Pfalz

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Merlot von Butz – Klasse Stoff nicht nur für Überseefreunde

 

[dropcap2]I[/dropcap2]ch wiederhole mich nicht gerne, aber es ist tatsächlich eine Crux mit den Etikettentrinkern! Mit diesem wenig schmeichelhaften Etikett versehe ich für gewöhnlich den von mir am wenigsten geschätzten Trinkertyp, dem Äußerlichkeiten viel und wahre innere Werte erschreckend wenig bedeuten. Allerdings subsummiere ich unter diesem offenherzig geringschätzigen Titel nicht nur pekuniär potente Mittvierziger, denen der abendliche Schoppen zu Abfüllung zweifelhafter Damen gar nicht französisch, exklusiv und teuer genug sein kann. Nein, ich stecke auch viele an sich bodenständige Weintrinker in diese unterste meiner inneren Schubladen, wenn sie schon einzelne Begriffe auf der Flasche davon abhalten, einen von mir geschätzten Tropfen überhaupt nur zu kosten… Weiterlesen

Ökonomierat Rebholz 2009 Riesling Vom Buntsandstein S Pfalz

Ein Abschied fällt oft schwer – vor allem, wenn man sich das Beste für den Schluss aufgehoben hat. Ich beende heute meine Miniserie über Riesling aus der Pfalz mit einem dermaßen wunderbaren Wein, dass es mich regelrecht schmerzt, den Saumagenäquator nun für eine Weile hinter mir zu lassen. Schumanns Weinblog wird sich in der nächsten Zeit inhaltlich ein wenig umorientieren und wieder verstärkt zu seinen Wurzeln zurüchkehren: Es werden wieder Neuentdeckungen im Mittelpunkt des Interesses stehen und weniger die richtig großen Namen, so sehr sie auch munden, die Platzhirsche… Weiterlesen

Dr. Wehrheim 2011 Chardonnay S trocken Pfalz

Es geht für mich nichts über Riesling. Ich trinke ihn zu beinahe jeder Gelegenheit, zum Gelage wie zur Gänsebrust. Keine andere Rebsorte schafft es, mich auch nur im annähernd gleichen Maße zu faszinieren wie unsere gute alte Rebenkönigin. Sie beherrscht alle Spielarten von leicht und spritzig bis voll und kräftig und keine ihrer neidischen Geschwister kommt für mich auch nur annähernd an ihre Fähigkeit heran, ihre Herkunft bis auf die Parzelle genau zu vermitteln. Kurzum: Seid ruhig böse, ihr Burgunder und Kalifornier, ihr Loire-Anrainer und fröhlichen Italiener! Ihr steht bei mir auf verlorenem PostenWeiterlesen

Dr. Wehrheim 2011 Riesling trocken Rotstück Pfalz

Ich hatte in den vergangenen Wochen schon einige Weine des VDP – Stars Karl-Heinz Wehrheim aus Birkweiler an der Südlichen Weinstraße und war stets angetan von der Qualität seiner Abfüllungen. Allerdings beschränkte sich mein Einblick dabei auf sein vermeintliches Spezialgebiet, die Burgundersorten. Jetzt hatte ich jedoch einen ersten Riesling von diesem Qualitätsbetrieb und fordere jedermann auf, sofort alles zu vergessen, was ich je über Wehrheim und die Burgunder geschrieben habe. Die Südpfalz kann bekanntermaßen Riesling, aber Dr. Wehrheim kann es besser!

Der 2011 Riesling trocken mit dem schönen Namen „Rotstück“ ist eine wahre Wucht. Ich bin zwar ein verkappter Moseljünger, aber dieser Wein ist bei allerAndersartigkeit trotzdem großartig:

Er ist saftig, reif, rund, eher säureschwach – aber trotzdem niemals plump, alkoholisch oder gar flach. Er hat beinahe keine der Qualitäten, die man in nördlicheren Gebieten und in schwächeren Jahrgängen findet und die den besonderen, beinahe schizophrenen Charme des deutschen Rieslings ausmachen… Hier gibt es keinen Ritt auf der Rasierklinge zwischen gerade eben noch reifen Trauben, unvergorenem Zucker und stahliger Säure. Nein, hier wird aus dem Vollen geschöpft!

Der „Rotstück“ ist ein südlicher Weintyp, ein Schmeichler. Er ist gänzlich trocken und überaus kraftvoll, seine 13% Alkohol sind ein Statement für einen Basiswein, aber sie stören keineswegs. Es handelt sich nämlich um einen völlig anderen Rieslingtyp. In der Nase erkennt man sofort mehr als das charakteristische heimische Steinobst. Zu ihm gesellen sich noch andere, exotisch – tropische Noten – man meint Maracuja zu vernehmen. Fruchtigkeit und Fülle sind auch im Mund Programm, der Wein ist ein durchgegorenes Gummibärchen aus der Premium – Gummibärchenmanufaktur eines Gummibärchengottes! Kein Kitsch, nur Frucht.

Der Wein ist völlig anders als alle zuvor verkosteten, bei aller Fülle dennoch zurückhaltend mineralischen Tropfen des Hauses. Er verliert dabei allerdings nie die Zügel aus der Hand. Er ist ein Bodybuilder im Maßanzug. Dies liegt freilich auch am Boden, auf dem er gewachsen ist: Er stammt nämlich – wie der Name schon andeutet – vom Rotliegenden und nicht vom Buntsandstein wie seine bereits verkosteten Geschwister. Dies alleine kann jedoch den eklatanten Unterschied nicht erklären. Denn noch etwas anderes schwingt hier mit: Der Jahrgang!

Der „Rotstück“ ist der erste 11er von Wehrheim, den ich hatte und der lässt bezüglich des Jahres programmatisch tief blicken: 2011 ist ein Jahr der Reife, ein Jahr der Kraft und ein Jahr der eher gemäßigten Säurewerte. Es ist wahrscheinlich auch eher ein Jahr der „kleinen Weine“. In dem Maße, in dem 2010 voreilig verrissen wurde, wurde 2011 gehypt. Man stellte es schon in eine Reihe mit den „Kometenjahen“ 1811 und 1911, bevor man auch nur einen Schluck getrunken hatte – Das war nicht eben klug!

Zur Begründung: 2010 war im oberen Segment und bei den besten Winzern ein Hammerjahr. Bei gnadenloser Selektion und verantwortungsvollem Umgang im Keller entstanden grandiose Weine. Im süßen Bereich war es vielleicht der beste Jahrgang seit Dekaden! Die immer prägnante Säure macht diesen Typ Wein quasi unsterblich.

Allerdings war 2010 ein Jahr, von dem Winzer keine zwei in Folge haben sollten, wenn sie nicht zufällig einen Lotteriegewinn hatten. Die Erträge waren nämlich so gering, dass vielerorts einfach kein Geld verdient werden konnte. 2010 ist ganz klar ein Jahrgang der großen Weine großer (und finanzstarker) Winzer.

Hier liegt auch schon der Hund begraben – und mit ihm der Grund dafür, dass 2011 vielleicht doch nicht so toll ist, wie es alle schon nach der Lese herausposaunt haben: 2011 muss Kasse gemacht werden in den deutschen Weinregionen. Die Erträge sind hoch – unabhängig von den Qualitätsstufen. Dieser Umstand  führt gemeinsam mit den wetterbedingt geringeren Säurewerten quasi unweigerlich zu gefälligeren, aber ziemlich sicher auch weniger spannenden (und vor allem weniger haltbaren) Weinen. Bei den „Großen Gewächsen“ ist so ein Stil für mich nicht unbedingt erstrebenswert. Ich bin mir daher nicht sicher, ob der aktuelle Jahrgang wirklich in ein paar Dekaden als so groß in Erinnerung geblieben sein wird.

Anders verhält es sich jedoch – bei allem, was man schon kosten durfte – bei den Basisqualitäten und bei den weniger bekannten Winzern: Im Gegensatz zu 2010 findet man hier fast nichts Unreifes, Raues oder Ruppiges. Allerorten gibt es nette, gefällige Weine für wenig Geld in ausreichender Menge. Das ist toll für den normalen Konsumenten, der einfach seinen wohlverdienten Schoppen schlotzen will! Ob allerdings die echten Weinfreaks mit den 11ern glücklich werden, ob sie spannungsgeladene und fordernde Weine wie im Vorjahr finden werden, die gleichermaßen polarisieren wie begeistern, dass bezweifele ich mittlerweile stark…

Wie dem auch sei, der „Rotstück“ von Dr. Wehrheim ist für mich der Prototyp des Weines, der für mich die Stärken von 2011 ausmacht: Er ist bezahlbar, verfügbar, unkompliziert und süffig. Kaufempfehlung!

um 8€ ab Hof  

SCHUMANNS WEINBLOG

Ehrhart 2009 Spätburgunder*** Pfalz

Die Südpfalz ist mittlerweile so etwas wie meine neue Sehnsuchtsregion! Mitleid mit Kaiserslautern oder gar Sympathien für Kurt Beck habe ich dennoch nicht…

Dass diese in den 70ern zurecht als „Süßpfalz“ verballhornte Gegend nicht erst seit gestern tolle trockene Weine hervorbringt, habe ich bereits durch den Genuss der Tropfen des von mir sehr geschätzten Weinguts Gnägy aus Schweigen – Rechtenbach erfahren und hier auch ausreichend gewürdigt. Dieser ehemals verpönte Landstrich bringt neben den fettesten einheimischen Cabernets und Merlots auch mit die ernsthaftesten deutschen Chardonnays und Sauvignons hervor – von den Vertretern der Burgundersorten (weiß wie rot) müssen wir gar nicht erst reden… Weiterlesen

Gnägy 2007 Cabernet Sauvignon S Pfalz

Ich mag die Weine von Gnägy, das ist kein Geheimnis. Allerdings neige ich dazu, immer nur über meine Lieblingsrebsorten (Spätburgunder und Riesling) zu schreiben und dabei all die anderen Leckerli zu vergessen.

Der 2007 Cabernet Sauvignon S von Gnägy ist so ein Fall. Jetzt schon einigermaßen trinkreif bietet er eine Menge Wein fürs Geld. Weiterlesen