Wein des Monats Juni 2012: Dönnhoff 2010 Oberhäuser Leistenberg Riesling Kabinett Nahe

13 Jun
13. Juni 2012
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Eigentlich stehe ich auf Neuendeckungen, auf gute Weine zu möglichst guten Preisen, die nur wenige Menschen kennen aber wesentlich mehr kennen sollten. Ich gebe es zu, ich habe da einen gewissen Missionsdrang!

Ich erachte es generell als nicht sonderlich erstrebenswert für den Betreiber eines Weinblogs, zu viele große Weine von großen Winzern anzupreisen. Jeder weiß, dass Welklasseweingüter Weltklasseweine machen. Ich will aber überraschen. Dennoch komme ich nicht umhin, ab und an auch einmal meine Eindrücke zu teilen, die ich beim Genuss großer Klassiker gewonnen habe. Gerade hierfür erscheint mir die Rubrik “Wein des Monats” bestens geeignet.

Daher tue ich nun, was früher oder später getan werden muss: Ich beschäftige mich mit einem Wein des herausragenden Helmut Dönnhoff. Das Renommee dieses Winzer von der schönen Nahe ist so unangefochten hoch wie die eisigen Gipfel des Himalaja. Dönnhoff ist mehr als Gebietsspitze, seine Rieslinge sind Weltspitze. Er muss sich seinen Platz an der Sonne mit vielleicht einer Hand voll anderer Granden teilen. Lediglich J.J. Prüm, Egon Müller, Wilhelm Weil und vielleicht noch ein paar andere thronen neben ihm in Riesling – Walhalla.

Unser Wein das Monats Juni soll ein “einfacher” Wein des Hauses sein, ein Tropfen, den sich jeder Interessierte einmal gönnen kann und dies auch unbedingt sollte. Es ist auch ein Wein, der eher zu den Leisetretern gehört, zu den stillen Schätzen und den letzten Überbleibseln einer Tradition, die von Dönnhoff und seine Mitstreitern vorbildlich am Leben gehalten wird. Er ist ein Riesling, wie ich ihn liebe, ein klassischer Kabinettswein mit natürlicher Traubensüße. Dennoch ist er alles andere als ein Süßwein. Er ist vielmehr die Quintessenz deutscher Weinkultur, ein Musterbeispiel an Leichtigkeit und Ausgewogenheit.

In der Nase entfaltet sich sofort ein reich gedeckter Tisch voller herrlicher Früchte, es gibt zahlreiche Nunacen, aber Quitte dominiert für mich. Das Bouquet ist reif aber nicht überreif, wirkt vom ersten Moment an animierend und frisch. Nach dem ersten Nippen habe ich das Glas verdutzt abgesetzt – wo ist der Zucker? Der Wein schmeckt in keinster Weise vordergründig süß, er schmeichelt und vereinnahmt nicht. Dann spürt man die Säure: Frisch wie ein Gebirgssee füllt sie den Mund, doch strömt sie nicht ungestüm hinein wie ein rauschender Bach, sie drängt sich ebenfalls nicht auf.

Man könnte nach dieser Beschreibung meinen, unser “Leistenberg” wäre zwar ein guter Wein, aber vielleicht ein wenig langweilig, nicht fordernd genug. Doch weit gefehlt! Nach einer Weile treten nämlich noch andere Komponenten hervor, öffnet sich das Tor zu anderen, phantastischen Dimensionen. Eine unwahrscheinlich subtile, hintergründige Mineralität begleitet die Fruchtigkeit im kaum enden wollenden Abgang. So einen herrlichen Kabinett hatte ich noch nie! Ich bin sogar geneigt zu schreiben, dass dies einer der allerbesten Weißweine ist, die ich jemals das Vergnügen hatte, zu verkosten. Besonders wundervoll ist jedoch der Umstand, dass dieser göttliche Nektar einen nicht erschlägt, sondern beinahe schon zu gut trinkbar ist. Man kann sich an ihm im besten Wortsinn berauschen. Das mach ihn zu etwas ganz Besonderen. So tiefgründig große Spät- und Auslesen auch sein mögen, so alltagsuntauglich erscheinen sie mir oft. Man kann an ihnen nippen, sie ergründen und vielleicht ein Glas genießen – einen solchen Kabinettswein kann man austrinken…

Ich gebe diesem Schatz heimischer Winzerkunst die Höchstbewertung- alles andere wäre Gotteslästerung – und rate dringend zum Kauf. Dieses erhabene und erhebende Erlebnis sollte man sich wahrlich nicht entgehen lassen! Ich werde zwar auch weiterhin nach Insidertipps suchen, aber große Weine wie die von Dönnhoff müssen hier auch ihren Platz finden, denn sie sind einmalig. Einmalig gut…

Der 2010er ist leider überall vergriffen. Allerdings gibt es hier den 2011er für 13,50€. Das ist wirklich gut angelegtes Geld und kein Cent zuviel. Aber bitte gönnt ihm ein paar Monate Ruhe! Er wird es Euch danken.

 

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