Weingut Hirschmüller 2013 Pinot Meunier

hischmüller_pinot_meunier_schumanns-weinblog

 

Kurz und Knapp (3) – Spannendes Startup mit famoser Müllerrebe

 

[dropcap2]S[/dropcap2]chwarzriesling als sonderlich sexy zu bezeichnen, wäre schon ein wenig verwegen… Allerdings bestätigen auch im Falle dieses Arbeitstiers aus der Champagne wenige spannende Ausnahmen die seichte Regel. Was mich vor ein paar Tagen per Post aus Lauffen am Neckar erreichte, hat mich seit langem einmal wieder über das Potenzial dieser hierzulande chronisch unter Wert ge- und nicht selten regelrecht würdelos behandelten Traube sinnieren lassen. Tief und innig sinnieren…

Das Weingut Hirschmüller ist, wie bereits angedeutet, im würrembergischen Lauffen am Neckar beheimatet, dennoch handelt es sich bei dem Betrieb um alles andere, als um ein typisch schwäbisches Traditionsweingut mit Trollingerschwerpunkt und Großgebinden für preisbewusste Schoppenschlotzer. Man hat mit dem Jahrgang 2013 gerade eben erst seine allerersten beiden Weine auf die Flasche gebracht und plant für das nächste Jahr einen bedachten und keineswegs explosionsartigen Ausbau der Kollektion. Apropos „man“: Das Weingut Hirschmüller ist ein Kind der wie auch immer gearteten Beziehung zwischen Wiebke Krüger und Tobias Hirschmüller – ich kenne die beiden noch nicht persönlich -, ihres Zeichens Geisenheimer mit durchaus beachtenswerten Lebensläufen:

Frau Krüger stammt gebürtig aus der Herrengedeck-Hochburg Hannover und entschied sich schon sehr früh für eine Weinlaufbahn als gänzlich Fach- und vor allem auch Ortsfremde. Wenn das mal keine Motivation bis in die Haarspitzen ist… Herrn Hirschmüllers Wiege hingegen schaukelte bereits in den Steillagen am Neckarufer, jedoch begann auch er recht schnell, über den Rand des althergebrachten Schillerwein-Glases hinaus zu blicken. Neben illustren Stationen in der Heimat bildete er sich unter anderem in Kalifornien fort, so dass man mit Fug und Recht behaupten darf, dass unsere beiden jungen Schwaben mehr als nur ausreichend auf ihr Wagnis namens Weingutsgründung vorbereitet waren…

 

Weingut Hirschmüller 2013 Pinot Meunier – Tänzerisch leicht und dennoch tiefgründig

 

[dropcap2]W[/dropcap2]ie sein französischer Name Pinot Meunier unschwer erkennen lässt, zählt der Schwarzriesling genetisch zur noblen Familie der Burgunderreben. Dieser Umstand prädestiniert ihn geradezu zum Anbau auf den typischen Muschelkalkböden der Region. Das Weingut Hirschmüller setzt daher aus gutem Grund schwerpunktmäßig sehr stark auf die Burgundersorten, die auch in Zukunft im Mittelpunkt der Produkion stehen werden. Die Schwarzrieslingreben, denen unser wundersamer Premierenwein abgerungen wurde, haben bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel, so dass die Erträge nicht mehr groß, dafür aber umso hochwertiger geraten.

Im Keller scheuen Frau Krüger und Herr Hirschmüller keine Mühen und nutzen tatsächlich eine geradezu archaisch anmutende Korbpresse, mittels der eine extrem schonende Verarbeitung des Leseguts gewährleistet wird. Die Vergärung und der Ausbau unseres Pinot Meunier erfolgt im 500 Liter – Eichenfass, in dem der Jungwein zwar einem spürbaren Reifeprozess ausgesetzt wird, das ihn jedoch nielmals mit aufdringlichen Eichennoten überfrachtet. Das dieser subtile Holzeinsatz gerade im Fall meines heutigen Kandidaten auf den Punkt dosiert ist, merkt man bereits beim ersten Schnuppern und anschließenden erwartungsfrohen Nippen:

Der 2013er Pinot Meunier vom Weingut Hirschmüller entpuppt sich nach einer Weile im Glas als gleichermaßen spielerisch leichter und trotzdem äußerst fruchtig-würziger Roter, der nicht eine Sekunde lang Gefahr läuft, einerseits allzu fragil oder auf der anderen Seite konfitürig plump auszufallen. Ganz wie die wenigen anderen großartigen Weine seiner Art besticht er durch ungeheuer animierende Beerennoten, eine frische, aber keine Spur scharfe Säure und herrliche florale Eindrücke. Die Gerbstoffe fallen naturgemäß tendenziell eher sanft aus, doch deuten sie in ihrer Jugendlichkeit durchaus ein stattliches Reifepotenzial an. Das Holz – wie erwähnt sehr bedacht dosiert – verleiht dem ganzen Konstrukt eine derart würdevolle Haltung und edle Rauchigkeit, wie man sie gewiss nicht alle Tage bei einem Schwarzriesling antrifft, die auch veremeintlich blaublütigeren Varietäten zur Ehre gereichen würden…

Weingut Hirschmüller 2013 Pinot Meunier für 15,50€ bei delikatEssen in Nürnberg

Follow on Bloglovin

www.schumanns-weinblog.de

Print Friendly, PDF & Email
0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar