Weingut Rothe Kvevri Orange Wine

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Alles Orange und keine Meinung 

 

[dropcap2]E[/dropcap2]s geht ein Geist um in der Weinwelt. Und er ist nicht weiß gewandet, wie es das althergebrachte Klischee verlangt, sondern er zeigt sich hefig trüb bis bernsteinfarben – nicht selten  leuchtet er geradezu vorwitzig orange…

Obwohl in meinem Innersten eine eher konservative Trinkerseele haust, habe ich mich zuletzt verstärkt mit diversen, sich teils überschneidenden Trends befasst, ob sie nun als maischevergorener Orange Wine oder als archaischer ungeschwefelter Vin Naturel daherkommen. Ein abschließendes Urteil zu derlei flüssigen Absonderlichkeiten habe ich jedoch noch nicht gefällt, ich vertrete inzwischen die Meinung, dass man nicht zu allem eine ebensolche haben muss…

Allerdings muss ich durchaus attestieren, dass ich in den letzten Monaten mehr mit Wonne vertilgbare naturbelassene Tropfen verkostet habe, als ich noch vor Jahresfrist zu hoffen gewagt hätte. Dieser durchaus erfreuliche Umstand kann im meinen Augen nur zwei Ursachen haben, die sich nicht zur Gänze ausschließen müssen:

Entweder, mein persönlicher Gusto hat sich abermals gewandelt, oder – das wäre die schmeichelhaftere Kausalität – es gibt nach den ersten stinkig-wilden Sturm- und Drangjahren der Szene mittlerweile schlicht mehr Trinkbares. Wie dem auch sei, selbst wenn ich auch fortan nicht mein karges tägliches Abendmahl mit schwefelfreiem Muscat aus Südfrankreich oder animalischem Radikalbiolambrusco herunter spülen möchte, ich erfreue mich mehr und mehr an derlei nicht selten delikaten Wüstheiten. Man muss meines Erachtens nicht immerzu vergleichen und bewerten um ein glücklicher Weintrinker zu sein. Vielfach schadet es nämlich gar nichts, sich auf eine wundersame Reise ins liquide Paralleluniversum mitnehmen zu lassen, deren Ausgang vielleicht ungewiss ist, die jedoch nicht mit faszinierenden Ausblicken geizt…

Die letzten beiden friedlich gesonnenen Kellergeister habe ich jüngst in Weinfranken verkosten dürfen, es handelt sich um zwei Orange Wines mit dem für Uneingeweihte kryptischen Namen „Kvevri“  vom Weingut Rothe in Nordheim am Main.  Biowinzer Manfred Rothe befasst sich schon seit Jahr und Tag überaus erfolgreich mit dieser Thematik, seinem charakterstarken auf der Maische vergorenen Silvaner Indigenius wurden zwei hochspannende Vertreter der weißen Burgundersorten an die Seite gestellt, die am besten als Hybridwesen an der Schwelle zum Orange Wine bezeichnet werden können.

 

Weingut Rothe – Kvevri im Keller, Spannung in der Flasche

 

[dropcap2]D[/dropcap2]och – zurück zu den Gegenständen der Betrachtung – sein letzter Coup stellt ohne Frage eine Steigerung dieser Stilistik in jeder Hinsicht dar: Ein Kvevri ist nämlich nichts anderes als eine, in diesem Fall rund 1200 Liter fassende, tönerne Amphore traditioneller georgischer Machart, in der schon vor rund 8000 Jahren Wein bereitet wurde. Herr Rothe ließ vor einiger Zeit zwei derartige urzeitliche Gebinde in seinem schmucken Gewölbekeller eingraben, in denen die bereits erwähnten Premierenweine – ein Silvaner und ein Zweigelt des Jahrgangs 2013 – spontan vergären und 9 volle Monate ohne jeden Eingriff reifen durften. Die Ergebnisse dieser biblischen Weinwerdung wurden anschließend unfiltiriert und nach nur minimalster Schwefelgabe auf die Flasche gebracht.

Der rote Kvevri – ich beginne ganz bewusst mit ihm – ist ganz gewiss das weniger polarisierende der beiden Amphorenkinder, was wohl ganz simpel daran liegt, dass Maischegärung beim Rotwein Standard ist und er deswegen nicht halb so weit von der gängigen Norm entfernt ist, wie sein nicht ganz weißes  Pendent.  Der rote Kvevri vom Weingut Rothe ist denn auch ein frucht- und gerbstoffreicher, sehr saftig-süffiger Rotwein der Oberklasse, dessen so schon druckvoller und erfreulich elegant kühler Auftritt durch eine wahrnehmbare, aber nie aufdringliche animalische Wildheit zu einem definitiv erinnerungswürdigen Erlebnis wird.

Der weiße Kvevri, der aufgrund seiner erwähnten Bereitungsweise nicht wirklich weiß sein kann, verlangt hingegen ein ganzes Stückweit mehr von seinem Verkoster. Um diesem breiten, durchaus von Gerbstoffen geprägten Silvaner gerecht zu werden, sollte man sich auch im Umgang von jeglichen Erfahrungswerten freimachen. Dieser Wein braucht zunächst zwingend eine gewisse Zeit in der Karaffe – das gilt auch für den Zweigelt -, um seinen anfangs erstaunlich reduktiven Charakter abzulegen, denn eines sind die Orange Wines von Manfred Rothe gewiss nicht: Oxidativ. Zudem empfiehlt sich eine Trinktemperatur im Bereich leichterer Roter.

Hält man sich an diese Vorgaben, dann kann man am heimischen Tisch eine – oder besser zwei – Erfahrungen machen, die man als engagierter Weinfreund zumindest einmal gemacht haben sollte. Für meinereiner stellen die Kvevris von Herrn Rothe in jedem Fall weit mehr als ein wildes Experiment dar, ich würde mich freuen, wenn sie sich in den nächsten Jahren als wertvolle Bereicherung einer wachsenden Nische etablieren würden.

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