Weingut Volk 2012 Riesling Spätlese feinherb

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Es muss nicht immer Sushi sein – Zurück zu den Wurzeln!

 

[dropcap2]K[/dropcap2]ategorien für ganze Weingüter und ihre Kollektionen zu finden, ist noch wesentlich schwieriger, als für einzelne Weine. Freilich sind meine viel zitierten inneren Schubladen voll von oberflächlichen Einteilungen und Schwerpunktzuweisungen, in ihnen liegen „Saufweinlieferanten“ gleich neben „Kuliarikern“ und „Populisten“ in unmittelbarer Nähe von „sympathischen Verschrobenen“ und „Fanatikern“. Selbstredend passt keiner dieser oft recht leichtfertig gefertigten Schlüssel in der Realität ins Schloss der Tür zur Wahrheit. Daher vermeide ich es zumeist auch, derartige Labels allzu offensichtlich an meine Traktate zu pappen. Wer wissen möchte, was ich tatsächlich denke, der ist angehalten, ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen.

Was jedoch jedem einigermaßen regelmäßigen Besucher von Schumanns Weinblog klar sein sollte, ist, dass es mich nur in den seltensten Fällen – und dann zumeist zum Zweck der Realitätsüberprüfung –  nach den ganz großen Namen dürstet. Sollen sich doch andere im Netz und in den darbenden Printmedien mit den altbekannten Granden befassen und in gefühlt abertausenden von Artikeln über die unbestrittene Größe ihrer Gewächse auslassen! Ich für meinen Teil neige – und da greife ich doch einmal ganz bewusst in meine Schublade – der zweiten Garnitur zu, den Lieferanten bodenständiger Kost diesseits aller Abgefahren- und Abgehobenheiten. Schumanns Weinblog soll, wie übrigens auch Schumanns Weinshop, dem Kenner wie dem Einsteiger in die Welt des heimischen Weines neue und vor allem bezahlbare Perspektiven aufzeigen und ihn so behutsam und ohne gehobenen Zeigefinger zumindest zeitweise vom gewohnheitsmäßigen Konsum namen- und gesichtsloser Industrieweine und nicht hinterfragter Ikonen abbringen. Wenn mir das in einigen wenigen Fällen gelingt, dann bin ich zufrieden mit mir und meiner kleinen deutschen Weinwelt…

 

Aktiv zum Wohle der Kultur – Die Mittelrhein Riesling Charta

 

[dropcap2]E[/dropcap2]s mag ziemlich konservativ und vielleicht sogar reaktionär klingen, aber ich glaube von ganzem Herzen an Dinge wie „Die goldene Mitte“ und „Ehrliches Handwerk“ auf ebensolchem Boden. Ich möchte keinen der in den letzten Jahren beinahe allerorten errichteten Leuchttürme des Weinbaus einreißen, mir ist sonnenklar, dass es ohne diese Himmelsstürmer in den Niederungen der önologischen Bürgerlichkeit nicht annähernd so gut aussähe, wie es zum Glück mittlerweile aussieht. Aber – und das ist die Kernaussage dieser ellenlangen Einführung – mir wird von Flasche zu Flasche, ja von Schluck zu Schluck immer klarer, dass eine derartige Elite nur eine Initialzündung auf dem Weg Deutschlands zur absoluten Qualitätsspitze darstellen kann. Die „Drecksarbeit“, das Gewühle an der Basis müssen andere erledigen. Da dies vielerorts und in zunehmendem Maße einigermaßen großartig erledigt wird, fühle ich mich recht wohl in meiner Nische und mache mir gerne immer wieder einmal die Finger schmutzig an auf den ersten Blick vielversprechenden Newcomern aus der zweiten Reihe, die nicht umrissen haben, dass ein Marketingschein aus Geisenheim, ein netter Internetauftritt, Mitgliedschaften in zwei Dutzend Jungwinzer-Vereinigungen und eine Tonne Reinzuchthefe bei gleichzeitigem affektierten Terroir-Gechwätz noch keinen authentischen und vor allem keinen interessanten Wein bedeuten. Ich nehme das alles wirklich gerne ich Kauf, denn diese Fehltritte werden weniger, wenn man weiß, wo man suchen muss!

Mittlerweile – und hier hat sich schon etwas geändert – finde ich die verborgenen Perlen Weindeutschlands zunehmend auch abseits dieser adretten und perfekt auf Revolution getrimmten ganz jungen Garde der Generation Generationswechsel. Mein neues Steckenpferd heißt „Zurück zur Tradition“, denn im nicht selten optisch etwas bieder und unzeitgemäß daherkommenden Mittelbauch der deutschen Winzerschaft wurden inzwischen still und heimlich viele der harten Lektionen verdaut, die die Leuchttürme eindrucksvoll vorexerziert haben. Die Basis – und ich meine die wirkliche, althergebrachte Basis und, so sehr ich sie liebe, nicht die hippen Revolutionäre – lebt und nur sie kann in meinen Augen tatsächlich etwas in der Breite bewegen! Hierbei geht es mir nicht „nur“ um die Erzeugung zuverlässiger bis sehr guter Weine alleine, nein, die Winzerschaft hat hierzulande in meinen Augen noch die mindestens gleichrangige Aufgabe, Kultur und Landschaft zu erhalten. Es gibt nämlich durchaus Landstriche in Weingermanien, an denen der Kelch des Aufstiegs bislang, von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen, vorüberging. Der Mittelrhein, Weltkulturerbe von Ehrfurcht gebietender Schönheit und voll der Weintradition, ist hierfür vielleicht das eindrucksvollste und gleichermaßen auch traurigste Beispiel…

Ich will nicht schwarzmalen, der Schwund der Anbaufläche ist mittlerweile auch zwischen Lorch und den Vororten von Bonn gestoppt, aber dennoch erscheint mir die Lage doch reichlich statisch. In der Spitze mit ihren Weingarts, Müllers und Josts tut sich nicht viel und selbst die Aufsteiger und jungen Wilden sind von Jahr zu Jahr dieselben, wenn man den einschlägigen Weinführern und der Netzgemeinde Glauben schenken darf. Doch ist der Mittelrhein deswegen für den Neugierigen und den Anspruchsvollen verlorenes Terrain? Ich denke nicht! Grund für diese positive Einschätzung ist nicht zuletzt die von mir bis dato nur periphär wahrgenommene Mittelrhein Riesling Charta, die sich im Kleinen die Wahrung der bedrohten Ausnahmestellung des Mittelrhein-Rieslings und im Großen nicht weniger als die Rettung des Weltkultuerbes auf die Fahnen geschrieben hat. Man kann sich gewiss trefflich über die Stringenz und Nachvollziehbarkeit der von ihr definierten Weinkategorien streiten – doch das sollen andere, feinsinnigere und kritischere Gaumen tun. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich besser spät als nie auf die Charta gestoßen bin, denn sie vereint unter einem Banner einige unangefochtene Gebietsgrößen mit mir bislang gänzlich unbekannten Erzeugern. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Auch das Charta-Logo ist keine Garantie für große und unverfälschte Weine und viele gute bis sehr gute Betriebe spielen ohnehin aus mannigfaltigen Gründen nicht mit. Dennoch kann man es in meinen Augen nur als eine ausgesprochen gute Idee bezeichnen, wenn sich Winzer unterschiedlichster Couleur zusammenschließen, um einer Region wieder Identiät zu verleihen. Besonders, wenn man sich vergegenwärtigt, dass beschwingte Rentner in den Schunkelstuben der Gegend nicht selten mit gebietsfremden Gesöff abgefüttert werden…

 

Weingut Volk in Spay – Mit den Steuermännern auf Kurs

 

[dropcap2]D[/dropcap2]as Weingut Volk liegt in Spay am Rhein, also im Kernland der teutonischen Schlösser- und Burgenromantik. Leider – und ich kann das nach der Verkostung einer ganzen Reihe von Weinen nicht verstehen – tauchte der nur etwas über drei Hektar kleine Familienbetrieb in der Internet-Weincommunity bislang allenfalls als Fußnote in der Preis-Leistungs-Kategorie auf. Dabei kann das Weingut Volk, die Familie wird vor Ort aufgrund der Tätigkeit eines oder mehrerer Vorfahren noch immer Steuermann genannt, mit einer ganzen Reihe von Rieslingen aufwarten, die eine weitergehende Würdigung mehr als verdient haben. Freilich sind die Weine vom Weingut Volk tendenziell preiswert – ich habe die generelle Lage der Region ausgiebig geschildert -, doch verbietet ihre unbestreitbare Güte eine derartige Verkürzung! So wie sich die Weine vom Weingut Volk aktuell im Jahrgang 2012 präsentieren, lassen sie nicht nur für die Zukunft ihrer Schöpfer hoffen…

Der erste Tropfen aus dem Hause Volk, dem ich mich in der Folge widmen möchte, stammt wie die meisten seiner Geschwister aus der größten und vielleicht auch bekanntesten Lage am gesamten Mittelrhein, der Bopparder Hamm, genauer aus der Parzelle Ohlenberg. Es handelt sich bei dieser feinherben Spätlese um den in der nationalen Weinkritik höchstdekorierten Riesling des Hauses abseits des edelsüßen Bereiches, auf den man sich offenbar auch sehr gut versteht. Ich persönlich möchte den Feinnasen vom gelben Führer hierbei in keinster Weise widersprechen, denn es handelt sich bei meinem heutigen Kandidaten zweifelsohne um einen mehr als aparten, süffigen und trotzdem keineswegs hirnlosen Burschen zwischen Schulterklopfen und Kopfkino. Das Bouquet dieses erstaunlich gelb gefärbten Jünglings verheißt denn auch augenblicklich Trinkspaß pur, es strotzt nur so vor reifer gelber Frucht der süßen und anziehenden Art. Dazu gesellt sich jedoch, quasi als Vorbote des Kommenden, eine überaus seriöse Kräuterwürze und ganz feine Anklänge jener unerklärlichen mineralischen Rauchigkeit, die ich schon in vielen guten Mittelrheingewächsen erschnuppern konnte.

Im Mund – und das ist eine handfeste wie erfeuliche Überraschung – zeigt sich der feinherbe Ohlenberg vom Weingut Volk wesentlich straffer und präziser, kurz weniger süß, als es die Nase vermuten ließe. Natürlich thront auch hier die Rieslingfrucht über allem wie die Marksburg über Spay, doch ist das Gesamtbild eher trocken, klar und die Säure angemessen durstlöschend. Der Abgang ist für eine Spätlese aus gutem Hause adäquat mineralisch und recht lang – kurzum, wir haben es bei diesem Riesling vom Weingut Volk mit einem ganz wunderbaren Vertreter der niveauvollen Spaßmacherfraktion zu tun. Wie der geneigte Leser von Schumanns Weinblog weiß, ist das genau mein Ding und ich werde schon bald einen weiteren Tropfen vom Weingut Volk präsentieren…

Weingut Volk 2012 Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese feinherb für 7,80€ ab Hof.

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2 Kommentare

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  1. […] habe an dieser Stelle erst kürzlich das Weingut Volk aus Spay am Mittelrhein als komplett tiefenentspannten Vertreter der neuen alten  […]

  2. […] die nächste Runde. Nachdem ich erst kürzlich einen ungemein saftigen und mineralisch zupackenden Riesling von ebendort vorgestellt habe, verschlägt es mich heute erneut an die Gestade der deutschesten […]

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