Weinmanufaktur Kasel Kaseler Hitzlay Riesling Spätlese 2011 Ruwer

12 Apr
12. April 2013
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von Christian Schumann

Eine Genossenschaft auf Schumanns Weinblog? Eigentlich bin ich kein erklärter Anhänger dieses zweifelhaften Erfolgsmodells der 70er, denn die Rolle der Winzergenossenschaften im Rahmen der klebrig süßen und billigen Welle jener Tage ist weiß Gott keine rühmliche. Freilich hat man zumindest zum Teil aus den einstigen Verfehlungen gelernt, doch noch immer sind die allermeisten Vertreter dieser Zunft Lichtjahre entfernt von der inländischen Qualitätsspitze. Viele Genossenschaften bringen mittlerweile annehmbare bis gute Spitzenqualitäten auf die Flasche, allerdings haben diese Prestigetropfen nur sehr wenig mit der biederen Realität in Literflaschengestalt zu tun…

Warum dann trotzdem ein Genossenschaftswein auf Schumanns Weinblog? Ganz einfach: Weil diese Genossenschaft anders ist als alle anderen und weil dieser Riesling einfach verdammt gut schmeckt! Die Weinmanufaktur Kasel ist verglichen mit den Hektargiganten des Südens nur eine Randnotiz auf der Landkarte der genossenschaftlichen Bewegung. Momentan werden von ganzen 18 Mitgliedern (!) stolze drei Hektar (!!) Rebfläche in anerkannt guten Lagen des rieslingberühmten Ruwertals bewirtschaftet. Der Betrieb ist ein Zusammenschluss von ambitionierten Nebenerwerbswinzern, die auf diesem Weg eine gemeinsame Vermarktungsplattform gefunden haben, ohne deren Existenz man niemals in den Genuss ihrer Weine käme. Bereits beim ersten Blick auf die Weinkarte der Weinmanufaktur Kasel wird klar, dass man jedoch keineswegs seine Individualität und seine Seele abgeben muss, um dazuzugehören. Mehrere Weine tragen die Namen von Mitgliedern, es wird offensichtlich ganz bewusst Wert darauf gelegt, dass hier Menschen am Werk sind und nicht namenlose Rädchen im Getriebe eines Kollektivs.

Die Weine der Weinmanufaktur Kasel sind in meinen Augen (und nach der Verkostung großer Teile des Sortiments) durch die Bank im besten Wortsinne konservative Ruwerrieslinge klassischer Machart. Sie alle haben Attribute gemein, die dem Wein dieses verwunschenen Moselzuflusses schon immer nachgesagt wurden, die man aber heutzutage wahrlich nicht mehr überall finden kann: Sie sind leichtfüßig, fast schwerelos, herrlich fruchtbetont und stets vom einer spritzigen, belebenden Säure getragen. Besonders beim letzten Punkt war ich bei sämtlichen Rieslingen des Hauses angenehm überrascht, da gab es 2011 an anderer Stelle selbst in dieser vermeintlichen Cool Climate – Region viel überreife Fadheit… Die Weine der Weinmanufaktur sind wahrlich keine Lautsprecher und bei ihnen allen steht stets die Trinkbarkeit im Vordergrund. Man will offenbar einfach nur guten Wein machen und keine Monumente der eigenen Großartigkeit schaffen. Ich finde das sympathisch und überaus redlich. Am besten kommt diese löbliche Zurückhaltung und beinahe edle Schlichtheit vielleicht bei der fruchtsüßen Spätlese aus der Hitzlay zum Ausdruck – hier kann selbst jeder noch so bewanderte Weinfreund sehr viel über die deutsche Spätlesetradition und ihr wahres Wesen lernen.

Ich habe es schon unzählige Male geschrieben und dieser Klassiker von der Ruwer beweist es aufs neue: Spätlesen sind keine Süßweine! Sie sind reif gelesene und restsüß ausgebaute Tisch- und Trinkweine, die zwar traditionell mehr Gehalt als Kabinette haben, die jedoch in meinen Augen niemals den Charakter von verkappten edelsüßen Auslesen haben sollten. Botrytis kann im Spiel sein, muss es aber nicht, bei der Lagerfähigkeit verhält es sich ähnlich: Gute Spätlesen können natürlich reifen und sollten es auch, jedoch darf es bei dieser Prädikatsstufe für mich nicht sein, dass sich erst nach einem Jahrzehnt Trinkreife und -Freude einstellen. Deutsche Riesling Spätlesen sollten die logische Fortführung ihrer kleinen Geschwister sein, sie sollten reife Frucht mit spielerischer Leichtigkeit und angemessener traubeneigener Süße verbinden und keine honigtriefenden Sirupe zur Begleitung von Süßspeisen sein…

Die Spätlese aus der Kaseler Hitzlay bringt für mich all diese Kriterien sehr gut auf den Punkt. Sie ist ein Wein zum Trinken, ein Wein zum Essen und sie ist dabei durchaus süß, ohne jedoch jemals ihre Leichtigkeit zu verlieren. In der Nase Kräuterwürze und richtig reifes Steinobst, jedoch fast keine edelfaulen Noten. Frische und Spiel stehen bei aller Fülle im Mittelpunkt und am Gaumen schaft dieser Riesling genau die faszinierende Gratwanderung, die es so wohl nur an der Mosel und ihren Nebenflüssen gibt: Feine Süße und pikante Säure in beispielhafter Balance, fröhliches Fruchtspiel und dezente, aber merkliche Mineralik. Dabei ist sie kein Angeber, der dick aufträgt und sein will, was er nicht sein kann und auch nicht sein soll. Das ist diskreter, beinahe eleganter und immer lustig beschwingter Riesling zum süffeln. Spätlese eben…

6,50€ ab Hof

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