Winzerei Lüttmer: Alles auf Frühburgunder!

02 Feb
2. Februar 2015
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Im Osten viel neues – Weingut ohne Gut

 

Versprochen ist versprochen! Wie erst kürzlich angekündigt, habe ich mich in den letzten Wochen tatsächlich intensiver mit meiner neu-alten Leib- und Magentraube Frühburgunder auseinandergesetzt. Wie es so meine Art ist, habe ich meine Suche nicht auf die traditionellen Hochburgen der Rebe an der Ahr und am Untermain beschränkt, sonder meinen Blick auf Gefilde gerichtet, an denen man als Weinwessi vieles vermutet, aber keinen noch weitestgehend unbekannten Qualitätsbetrieb mit Rotweinschwerpunkt und offensichtlichem Faible für alte Varietäten. Mein Blick über den vertrauten Glasrand hat mir dabei jedoch ein Flaschentrio in meine bescheidene Heimstatt gespült, wie es erfreulicher gar nicht sein könnte…

Ich kann voller Entdeckerstolz behaupten, das mit einiger Sicherheit einzige Weingut auf dieser Welt zumindest aus der Ferne kennengelernt zu haben, das ausschließlich Frühburgunder anbaut. Unter dem freundlich bescheidenen Namen Winzerei Lüttmer hat das Quereinsteigerpaar gleichen Namens – ihres Zeichens Berliner – in der Nähe von Freyburg an der Unstrut schon vor ein paar Jahren prominente Teile der historische Lage Weischützer Nüssenberg mit ertragsarmen Geisenheim-Klonen bepflanzt und es, trotz dieser an sich schon einigermaßen sensationellen Tatsache, irgendwie bewerkstelligt, weitestgehend unter dem Radar der umtriebigen Weinszene zu verbleiben. Die Winzerei Lüttmer ist dabei – auch wenn der erste Jahrgang bereits 2010 eingebracht wurde – bis zum heutigen Tag ein „Weingut ohne Gut“ – und ohne Homepage – geblieben, wie Klaus Lüttmer nicht ohne Ironie bemerkt. Mit ist so etwas naturgemäß ausgesprochen sympathisch, denn bereits die ersten von mit verkosteten Weine belegen eindrucksvoll, dass die Prioritätensetzung bei der Winzerei Lüttmer offensichtlich funktioniert…

Im Fokus steht der Wein allein, um neue Etiketten, den medialen Auftritt und eventuelle Räumlichkeiten wird man sich dann kümmern, wenn alle anderen und zweifellos ungleich wichtigeren Weichen gestellt sind, da bin ich mir sicher. Ich habe mit Herrn Lüttmer bislang leider nur fernmündlich kommuniziert, dennoch wurde mir unmittelbar klar, dass die bemerkenswerte Güte der Frühburgunder der Winzerei Lüttmer alles andere als Anfängerglück sind! Stilistisch hat man in Weischütz bereits ausgesprochen klare und sehr anspruchsvolle Vorstellungen und auch im handwerklichen Bereich sowie bei der Kellerausstattung ist nur das Beste gut genug. Die ersten Jahrgänge wurden bei keinem geringeren als bei Gebietsprimus Pawis in Freyburg betreut und seit Klaus Lüttmer selbst als Kellermeister fungiert, erfolgt der Ausbau der Weine ausschließlich in gebrauchten Barriques aus Plälzer Eiche, die man von Spitzenwinzer Hansjörg Rebholz bezieht, mit dem die Lüttmers gut bekannt sind. Mich verwundert es nicht nicht wirklich, aber es ist schon ein Ritterschlag für einen blutjungen Betrieb aus dem ansonsten im roten Bereich eher mediokren Osten, wenn seine Erzeugnisse von einem derartigen Alphatier des neuen deutschen Weines goutiert und gefördert werden…

 

Winzerei Lüttmer – Mit einer Minikollektion zur Gebietsspitze

 

Für mich persönlich kommt der erfolgreiche Weg, den die Winzerei Lüttmer so rasch gefunden zu haben scheint, einem Geschenk gleich, denn er bestätigt auf eine überaus erfreuliche Art eine These, die ich schon lange mit Inbrunst vertrete: Um ein großartiges Weingut mit einer großartigen Kollektion zu etablieren, bedarf es keiner ellenlangen Weinlisten und erst recht keiner wild wuchernden Sortenvielfalt! Wer neues wagt oder altes auf ein neues Qualitätsniveau heben möchte, der fährt zumeist nicht schlecht mit einer hingebungsvollen Konzentration auf seine ureigensten Kernkompetenzen. Exakt das tut man bei der Winzerei Lüttmer und die ersten süßen Früchte dieser zielstrebigen Bemühungen konnten bereits geerntet werden, denn in seiner aktuellen Ausgabe bezeichnet der grüne unter den beiden großen nationalen Weinführern die Frühburgunder von Klaus Lüttmer als „eindrucksvoll“ und gesteht ihnen explizit eine Ausnahmestellung außerhalb der erwähnten Kernregionen der Sorte zu. Die Bewertungen sind entsprechend, bereits jetzt zählen die Roten der Lüttmers – auch rebsortenübergreifend – zu den besten ihrer Art an Saale und Unstrut…

Eigentlich ist das Portfolio der Winzerei Lüttmer sogar noch schlanker, als es die Weinliste mit ihren ganzen drei Positionen vermuten lässt. Der „große“ Frühburgunder Maxime S ist nämlich gar kein eigenständig bereiteter Wein, es handelt sich bei ihm vielmehr um eine Faßselektion der bereits ausgesprochen dichten und komplexen Basisqualität aus dem Weischützer Nüssenberg. Bereits der „einfache“ Maxime verdeutlicht nämlich sehr klar, worum es Herrn Lüttmer geht: Die typisch deutsche Primärfrucht, die viele Burgunder hierzulande auf eher zweifelhafte Art auszeichnet, macht sehr bereitwillig eleganten Sekundäraromen in Form von Gewürzen, deutlich spürbarer Mineralik aus den örtlichen Muschelkalkböden sowie hochfeinen Eichennoten Platz, die jedoch – dem Ausbau in gebrauchten Fässern sei Dank – das Gesamtkonstrukt nie dominieren. Der recht dunkelfarbige und durchaus schlagkräftige Maxime beweist zudem, dass 12,5 Volumenprozent Alkohol mehr als ausreichen, um einem im Kern noch immer nördlich kühlen und eleganten Burgunder ein belastbares Rückgrat zu verleihen. Diese ausgesprochen treffsichere Stilistik sollten sich viele Winzer tunlichst einmal ausgiebig zu Gemüte führen, die den Frühburgunder eher als dicklichen, hemdsärmelig schokoladigen Bruder des oft etwas herablassend transparenten Pinot Noir interpretieren! Bei der Winzerei Lüttmer tritt der Frühburgunder, bereits wenige Jahre nach dem Erstertag der Reben, als mehr als annähernd erwachsener Burgunder im feinen Zwirn auf und nicht als guter Kumpel in Shorts und T-Shirt, mit dem man am Sonntag Mittag schnell ein paar Steaks auf den Grill wirft…

Der Maxime S aus dem erwähnten besten Fass der Winzerei Lüttmer toppt dies alles noch deutlich, er hat von allen oben angeführten Attributen noch deutlich mehr zu bieten, ohne jedoch auch nur im Ansatz verkopft, verfettet oder gar überkandidelt zu wirken. So ist es nicht nur das Mehr an Frucht und Holzeinfluß, das ihn zum Primus inter Pares macht, er besticht vor allem durch ein wahrnehmbares Plus an innerer Spannung, Struktur und tiefgründiger Würze, die ihn gewiss sehr gut reifen lassen werden. Während der Maxime schon jetzt, nach einer kurzen Weile in der Karaffe, mehr als kurzweilige Freuden zu bescheren vermag, sollte man den Maxime S deutlich ausgiebiger belüften, oder – wenn man Vorfreude besser ertragen kann als meinereiner – vielleicht noch ein paar Monate sicher verwahren, um sein ganzes Potenzial voll auszuschöpfen…

Nicht nur der Vollständigkeit halber möchte ich noch den dritten Tropfen erwähnen, den die Winzerei Lüttmer aktuell im Programm hat: Unter dem Namen „Saustarker Rosé“ firmiert ein sponten vergorener und nur leicht geschwefelter Vertreter einer oft verkannten Zunft, der, obwohl als schlichter Landwein etikettiertet, aufgrund seiner einigermaßen epischen Ausmaße (14% Vol. !!!) zu vielem taugen dürfte, aber nur schwerlich als schnöder Terrassenschoppen…

Winzerei Lüttmer 2012 Blauer Frühburgunder Maxime für 14,50€ bei delikatEssen in Nürnberg
Winzerei Lüttmer 2012 Blauer Frühburgunder Maxime S für 19,50€ ebenda.

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