Winzerportrait: Weingut Jakoby-Mathy Kinheim (Mosel)

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Weingut Jakoby-Mathy – Stetig bergauf ohne lautes Getöse

 

[dropcap2]E[/dropcap2]s kann dem aufmerksamen Weinfreund nicht entgangen sein: Die Mosel boomt, permanent werden am Rieslingfluss der Rieslingflüsse neue goldene Kälber geboren, entdeckt und fortan angebetet, bis ein neuer Stern am Firmament zwischen Trier und Koblenz aufgeht und dem vorherigen Objekt der höchsten Huldigung seinen Platz streitig macht. Auch meinereiner ist nicht ganz unschuldig an derlei aufgeregter Unstetigkeit, doch letztlich ist dies alles ja ein gutes Zeichen für die Region. Die Mosel – noch vor zwei Jahrzehnten ein Ort des zumeist ungerechtfertigt selbstzufriedenen Stillstandes – ist wahnsinnig dynamisch geworden. Selbst im trockenen Bereich, traditionell nicht eben die Domäne des Gebietes, drängen die Winzer zwischen Saar und Terrassenmosel an die nationale und internationale Spitze. Wer sich einmal die Mühe macht, die Bestenlisten der letzten Ausgaben aller großen Weinführer diesbezüglich miteinander zu vergleichen, dem wird die geradezu revolutionäre Kraft dieser Entwicklung eindrucksvoll vor Augen geführt.

Alleine schon aufgrund meiner allzu oft lautstark erklärten Liebe zum Moselwein freut mich dies natürlich und ich begebe mich in leider noch immer viel zu unregelmäßigen Abständen an die Mosel, um meinen persönlichen Stars und Sternchen einen Besuch abzustatten. Dabei zieht es mich zumeist zu jungen und teils auch etwas wilden Vertretern des neuen trockenen Stils (hier und hier). Allerdings – und damit wären wir in medias res – lernte ich im vergangenen Herbst, kurz vor der schwierigen Lese 2013, einen Betrieb kennen, der weder in dieses mehr oder minder modische, noch in das Schema „Alt, süß und exportorientiert“ passt. Das Weingut Jakoby-Mathy im leicht verschlafen wirkenden Kinheim an der Mittelmosel repräsentiert für mich denn auch beispielhaft und auf erfreulich entspannte Weise die „Neue Mitte“ im Land des Rieslingbooms – ohne dass die Weine des Hauses jemals auch nur im Ansatz mittelmäßig wären! Fernab der Schlagzeilen verkürzt das Weingut Jakoby-Mathy unter der klugen Führung der Brüder Stefan und Peter Jakoby und ihres Vaters Erich zusehends den Abstand zur Gebietsspitze – und das, ohne sich endgültig für die trockene oder die süße Seite der Mosel-Medaille zu entscheiden…

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Alter Keller, neues Gewand – Bescheidenheit ist eine Zier

 

[dropcap2]D[/dropcap2]as Weingut Jakoby-Mathy ist in einem eher unscheinbaren Anwesen in der engen und recht verwinkelten Ortsmitte von Kinheim angesiedelt. Wer den Betrieb erstmals besucht und zuvor bereits die modernen, aber mit Bedacht gestalteten Etiketten des Hauses kannte, der dürfte wie ich einigermaßen überrascht sein, wie unprätentiös es bei den Jakobys zugeht. Die Verkostung erfolgt wie Anno Dazumal in einem rustikalen Stübchen mit Fassdauben an der Decke und der nicht eben besonders großzügige Keller sieht genau so aus, wie man es an der Mosel erwartet: Er ist alt, dunkel, eng und etwas feucht.

Mit erschien dies alles mehr als sympathisch, denn beim Weingut Jakoby-Mathy hat man offenbar zum Glück erkannt, dass es keines Verkostungspalastes mit blank polierten Klimaschränken und Designerspucknäpfen bedarf, um guten Wein zu machen und zu verkaufen, sondern dass einzig auf das Produkt ankommt. Dass dies so ist, liegt nicht zuletzt an den beiden sehr guten bis herausragenden Lagen, auf die insgesamt 4,5 Hektar des Weingut Jakob-Mathy weitestgehend aufgeteilt sind.

Der teilweise außerordentlich steile und noch immer zu einem guten Teil mit alten Rieslingreben in traditioneller Einzelpfahlerziehung bestockte Kinheimer Rosenberg beginnt unmittelbar hinter dem Weingut. Aus diesem Weinberg stammen einige der besten Tropfen des Haues, unter anderem viele edelsüßen Spitzen des Kollektion. Die zweite Lage, aus der beispielsweise der trockene Spitzenriesling der Jakobys stammt, ist die Kinheimer Hubertuslay. Wenn man ganz oben in der Hubertuslay steht und über das Tal blickt, dann kann man zu seiner Rechten die ebenso prominenten wie zerklüfteten Filetstücke Erdener Treppchen und Ürziger Würzgarten ausmachen. Neidvoll muss dieser alltägliche Blick jedoch – vor allem angesichts der gebotenen Weinqualität –  für die Familie Jakoby ganz gewiss nicht ausfallen. Für mich erscheinen diese heiligen Berge für sie sogar durchaus zum Greifen nahe…

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Die Kollektion – Freude pur, trocken wie süß

 

[dropcap2]D[/dropcap2]ie Rebfläche des Weingut Jakoby-Mathy ist fast zur Gänze mit Riesling bestockt. Es gibt zwar auch ein paar wenige rote Sorten und etwas Rivaner alias Müller-Thurgau, aber der Großteil des Herzblutes und der alltäglichen Plackerei kommt dem König der Reben zugute. Über den süffig-unkomplizierten Schoppenweinen in der Literflasche ist der neue, weitgehend trockene Kern des Sortimentes der Jakobys angesiedelt: Unter dem Label „JakobyPur“ sind insgesamt vier Rieslinge erhältlich, die unter eingängigen und gut gewählten Markennamen firmieren.

Diese so genannte „Bergtour“ vom Weingut Jakoby-Mathy beginnt folgerichtig mit dem trockenen Gutsriesling namens „Aufbruch“, einem gleichermaßen leichten, knackig-spritzigen, wie fraglos seriösen Mosel-Prototypen für den gehobenen Alltagsspaß. Die zweite Etappe führt den durstigen Tourengänger zum „Aufstieg“, einem trockenen Kabinett aus der Hubertuslay, der beinahe ebenso leicht und ungezwungen daherkommt, jedoch über wahrnehmbar mehr Mineralik und einen etwas ausgearbeiteteren Körper verfügt. Im Anschluss rastet man für einen Moment und versüßt sich die Atempause kurz vor dem Gipfel mit einem Schluck „Weitblick“, einem feinherben Kabinett aus der gleichen Lage, der mit herrlich saftiger Frucht und wunderbarem Süße-Säurespiel aufwarten kann. Den Höhepunkt der Tour und den verdienten Lohn für die – gewiss mehr als erträgliche – Mühsal des Aufstiegs kann man dann in Form der „Bergspitze“ genießen. Dieser durchgegorene Spitzenwein der Jakobys, eine trockene Spätlese aus der Hubertuslay, gefällt mit reizvollen fruchtigen Rundungen, ernomem Trinkfluss und einer edlen mineralischen Würze. Bei keinem anderen Wein vom Weingut Jakoby-Mathy kommt wohl der erfreulich unaufgeregte Stil des Hauses besser zum Tragen: Die „Bergspitze“ soll ganz eindeutig ihrem Vertilger in erster Linie niveauvolle Freude bereiten. Sie ist definitiv keine intellektuelle Kopfgeburt, kein flüssiges Gestein, das über die Maßen fordert und polarisiert, sondern ein herrlich saftiger, fruchtbetonter Riesling der Oberklasse, der dennoch mehr als genug über seinen tief im Moselschiefer verwurzelten Ursprung aussagt…

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[dropcap2]D[/dropcap2]er süße Teil des Sortimentes des Weingut Jakoby-Mathy schließt hier nahtlos an. Alle von mir verkosteten Weine sind wunderbar reif und charmant, die Süße wirkt niemals aufgesetzt oder gar penetrant und die Säure hält das Gesamtgebilde stets am Leben. Die Kabinette fallen sehr präzise, federleicht und mit Lust trinkbar aus –  überhaupt fällt beim Weingut Jakoby-Mathy angenehm auf, dass die Prädikatsstufen stets bestens nachvollziehbar sind. Die Spätlese aus dem Rosenberg aus dem Jahrgang 2012 gibt sich demzufolge deutlich fülliger und auch komplexer, doch ist sie vollständig frei von botrytischer Opulenz. Mein persönlicher Favorit in dieser Kategorie war und ist jedoch ihre kurvenreiche Vorgängerin aus dem sonnenreichen Jahr 2011, die regelrecht cremig, unverholen sinnenfroh und ganz leicht von gesunder Edelfäule geprägt ist. Bei der Auslese tendiere ich ebenfalls zu der etwas breiteren 2011er, was jedoch viel mehr am etwas fortgeschritteneren Entwicklungsstand liegt, als an der Güte der aktuellen Tropfen. Die 2011er Auslese aus der besonders steilen und mit sehr alten Reben gesegneten Parzelle „Eulenlay“ ist für mich nicht mehr und nicht weniger als flüssige Lebensfreude im Gestalt von satter Frucht, Honig, etwas Kräutern und feiner mineralischer Würze, die man bereits jetzt ohne Reue genießen kann. Die noch weitaus konzentriertere Goldkapsel-Variante sollte man hingegen noch ein paar Lenze im kühlen Keller ausharren lassen.

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[dropcap2]I[/dropcap2]ch gebe für gewöhnlich nicht allzu viel auf die einschlägigen Weinführer, doch beim Weingut Jakoby-Mathy bin ich mit ihnen auf einer Wellenlänge: Dieser sympathische Familienbetrieb befindet sich auf jeden Fall auf einem überaus gedeihlichen Weg und zeigt sehr schön, dass dies auch ohne großes Brimborium und über die Maßen anstrengende Weine funktionieren kann. Der Ansatz des Hauses erscheint mir im besten Sinne zurückhaltend und evolutionär, im Mittelpunkt allen Strebens steht immer die gänzlich unverkrampfte Vermittlung der Freude am reinen Moselwein. Man ist so tief in den Traditionen der Region verwurzelt, wie die Reben in den Weinbergen und vernachlässigt seine alten süßen Stärken zu keinem Zeitpunkt. Dennoch ist man flexibel und findig genug, dem Zeitgeist mit hervorragenden trockenen Rieslingen etwas entgegen zu kommen, ohne sich ihm jedoch jemals anzubiedern…

Jakoby-Mathy 2012 Riesling Aufbruch trocken für 6,80€ bei Schumanns Weinshop
Jakoby-Mathy 2012 Riesling Aufstieg Kabinett trocken für 7,50€ ebenda
Jakoby-Mathy 2012 Riesling Weitblick Kabinett feinherb für 7,50€ ebenda
Jakoby-Mathy 2012 Riesling Bergspitze Spätlese trocken für 9,80€ ebenda
Jakoby-Mathy 2011 Riesling Spätlese Kinheimer Rosenberg für 8,80€ (!!!)  ebenda
Jakoby-Mathy 2011 Riesling Auslese Kinheimer Rosenberg Eulenlay für 13,30€ ebenda

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  1. […] habe erst kürzlich in meinem letzten Winzerportrait zum Ausdruck gebracht, dass an der Mosel ein einigermaßen epochaler Umbruch stattfindet: Die Weine […]

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