Winzerportrait: Weingut Ruppert-Deginther Dittelsheim-Hessloch Rheinhessen

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Ein Hoch auf Hessloch! Zurück in der Kaderschmiede

 

[dropcap2]M[/dropcap2]anche Ortschaften sind einfach unvermeidbar für einen Weinschreiber. Wer beispielsweise an der Mosel nach Trinkbarem sucht, der wird früher oder später seinen Fuß auf den Boden von Bernkastel setzen. Oder auf den von Trittenheim. Bislang dachte ich immer, dass es sich in Rheinhessen etwas anders verhielte, ich ging davon aus, dass die immer zahlreicheren Perlen der Gegend weit verteilt im schier endlosen Rebenmeer zwischen Worms und Bingen lägen. Doch ein Winzerort hat mich eines Besseren belehrt, denn er begleitet mich mittlerweile mein ganzes Bloggerleben: Die Weine und Weinmacher von Dittelsheim-Hessloch sind tatsächlich so etwas wie ein roter Faden, der sich durch meine Arbeit zieht. In anderen Worten: Es gibt dort ein ganzes Nest voller hochtalentierter junger Winzer, die mich immer wieder aufs neue begeistern und vor allem überraschen…

So ist es denn auch wenig verwunderlich, dass ich mich unmittelbar vor Beginn der diesjährigen Weinlese wieder einmal in mein persönliches Rheinhessen-Mekka begab, um nach spannenden Weinen von alten und neuen Bekannten Ausschau zu halten. Nach meinem mittlerweile schon obligatorischen Besuch bei Jungwinzer Markus Brandt (z.B. hier und hier) hatte ich diesmal noch einen lange vorbereiteten Termin beim Weingut Ruppert-Deginther, von dem ich in den letzen Monaten immer wieder bemerkenswerte Weine verkostet hatte (z.B. hier und hier). Meine Neugierde war grenzenlos, denn Juniorchef Justus Ruppert ist zwar noch fast genauso jung an Jahren wie sein kongenialer Mithesslocher Markus Brandt, doch diesem ganz offensichtlich bezüglich seines Bekanntheitsgrades und seiner medialen Wahrnehmung noch ein paar Schritte voraus…

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Weingut Ruppert-Deginther – Akribie zwischen Tradition und Übermorgen

 

Die andere Größenordnung des Betriebes wird sofort augenfällig, wenn man auf den schmucken Hof des Weinguts Ruppert-Deginther biegt: Keine Spur von Start Up – Charakter, man hat es mit einem ausgewachsenen Familienbetrieb zu tun, der seit Generationen selbst Wein abfüllt und stattliche Parzellen in den allerbesten Lagen von Hessloch und Bechtheim sein eigen nennt. Der jährliche Ausstoß ist gut sechsstellig und das Sortiment typisch rheinhessisch riesenhaft – eine Tatsache, die bei vielen anderen Betrieben der Region nicht gerade zu beeindruckenden Ergebnissen führt. Nicht selten verhält es sich nämlich bei derart gewachsenen und traditionsverhafteten Weingütern wie bei vielen ambitionierten Landgasthäusern: Man strebt zu den Sternen, verschwendet aber zu viel Energie an Schweinsbraten und Schnitzel, weil man die alten und nicht eben anspruchsvollen Gäste nicht verprellen will und kann…

Beim Weingut Ruppert-Deginther kann ich diesbezüglich jedoch Entwarnung geben, ab dem ersten Handschlag wird nämlich klar, dass Justus Ruppert sich dieser potenziellen Gefahr bewusst ist und dass er ganz genau weiß, was er tut. Selten bin ich auf meinen ausgiebigen Reisen durch Weindeutschland einem im allerbesten Sinne nachdenklicheren, präziser formulierenden und realistischeren Winzer begegnet. Und dass, obwohl er nur ein paar Lenze mehr auf dem Buckel hat als sein eben schon erwähnter Geisenheimer Kommilitone Brandt. Im Fokus seiner Weinbergs- und Kellerarbeit stehen ganz klar die zukunftsträchtigen und hochwertigen Sorten, mit denen man sich seine Sporen am Beginn des 21. Jahrhunderts verdienen kann, es dominiert der Riesling und die weißen und roten Burgundertrauben. Anderen, vermeintlich altbackenen Varietäten hält er dennoch die Treue, allerdings beschleicht mich zunehmend das Gefühl, dass dies nicht wie andernorts aus schierer materieller Notwendigkeit geschieht, sondern aus der vollsten Überzeugung heraus, dass es keine an sich schlechten Trauben gibt, sondern es alleine auf die Hingabe und strikte Qualitätsorientierung der Weinmachers ankommt. Unnötig zu sagen, dass mir diese Haltung mehr als sympathisch ist…

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Der Schlüssel liegt im Weinberg – Schockierende Einblicke…

 

Durchschreitet man die Rebzeilen des Weinguts Ruppert-Deginther, dann wird einem alsbald klar, dass die sich in den letzten Jahren häufenden Auszeichnungen der Weine des Hauses nicht von ungefähr kommen. In einem gelinde gesagt komplizierten Jahr wie 2013 ist das besonders offensichtlich: Kaum ein Spur von Fäulnis weit und breit, das Gros der Trauben erfreute sich auch nach den langanhaltenden Regenfällen der Vorwoche bester Gesundheit. Ich möchte hier nicht über Gebühr ins Detail gehen, aber Justus Ruppert konnte mir als relativem Novizen sehr schnell verdeutlichen, dass dies zu allererst verdammt harter Arbeit und großer Weitsicht zu verdanken ist. Ein vergleichender Blick in benachbarte Parzellen ließ mir regelrecht den Atem stocken: Was von dort schon in ein paar Monaten in deutsche Gläser schwappen wird, das möchte ich für meinen Teil nicht trinken… Freilich ist nachvollziehbar, dass in einem riesigen Gebiet wie Rheinhessen nicht jeder Winzer mit gleichem Elan und der selben Akribie zu Werke geht wie Herr Ruppert junior, doch der geneigte Leser möge mir glauben, dass ich Hessloch Stunden später nachhaltig traumatisiert verließ und mir vornahm, künftig den Erzeugern meiner Weine noch genauer auf den Zahn zu fühlen…

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Im Fall des Weinguts Ruppert-Deginther muss ich das freilich nicht mehr tun, denn der jungdynamische Vollblutwinzer versprühte während unserer Begehung seiner Spitzenlagen Hasensprung und Liebfrauenberg regelrecht die Einsicht, dass der Königsweg hin zu guten oder gar großen Tropfen gewiss nicht an der Kellertür endet. Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wie sehr viele Geisenheimer Absolventen diese an sich simple Tatsache verinnerlicht haben, die noch von so vielen Vertretern der vorigen Generationen schlichtweg ignoriert wurde…

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Die Kollektion: Weiß und Rot auf Augenhöhe

 

Ich habe keine Ahnung, wie es soweit kommen konnte, aber ich habe bisher in meinen Artikeln das Weingut Ruppert-Deginther primär im Zusammenhang mit Rotwein vorgestellt. Damit habe ich jedoch – soviel weiß ich jetzt – Justus Ruppert grobes Unrecht angetan, denn der weiße Teil seiner aktuellen Kollektion kann mit seinen charakterstarken Roten mehr als nur mithalten!

Literweine habe ich keine verkostet, aber bereits die Basisqualitäten in der 0,75er-Flasche – samt und sonders Prädikatsweine aus auf dem Etikett benannten Lagen – zeigen, wohin die Reise geht: Sie sind durch die Bank erfreulich weit durchgegoren, ohne unharmonisch zu sein, eingängig ohne einen Hauch von Einfachheit und überaus präzise, ohne gemacht oder gar steril zu wirken. Mir gefiel die gesamt Reihe außerordentlich gut, besonders hervor stachen jedoch der für eine Spätlesequalität fast schon überraschend straffe und geschliffene Grauburgunder, der seinen eigentlich erschreckend hohen Alkoholgehalt spielend wegsteckt und der ausgewogene Sauvignon blanc, der eher dem gelbfleischigen, harmonischen Ideal folgt, als dem mir beinahe schon verhassten modisch grünen Überseestil.

Bei den Weißweinen der Spitzenkategorie kann man nicht lange um den heißen Brei herumreden: Die beiden Lagenrieslinge besitzen zumindest für mich das Format von Großen Gewächsen, ohne jedoch jemals bemüht oder gar überambitioniert zu wirken. Der Weisse Stein ist ungemein dicht verwoben, mineralisch ausdrucksstark, braucht aber noch etwas Zeit, um sein ganzes Potenzial zur Gänze zu entfalten. Der Liebfrauenberg gibt sich viel eingängiger und einnehmend fruchtbetont, ohne jedoch die typische untergründige Würze und mineralische Geschliffenheit seines Gegenstückes vermissen zu lassen. Den weißen Vogel schießt für meinen Geschmack Justus Ruppert jedoch mit seinem famosen Chardonnay Vom Weissen Stein ab, der den in Deutschland so schmerzlich vermissten Mittelweg zwischen burgundischer Mineralik und kraftvoller, schmelziger Holzprägung geht. Der Ausbau im 500 Liter – Eichengebinde sorgt dafür, dass dieser an sich mächtige Tropfen letztlich sehr ausgewogen, ja fast schlank und elegant daherkommt und mich irgendwie an einen guten Chablis Premier Cru erinnert…

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Die Rotweine des Weinguts Ruppert-Deginther zeigen sich ebenfalls sehr einheitlich auf gutem bis sehr gutem Niveau: An der Basis bekommt man in Dittelsheim-Hessloch herrlich fruchtbetonte Sortentypen, die Weine aus den Cabernet-Neuzüchtungen sind füllig und charmant und selbst der Dornfelder kann sich mehr als sehen lassen. In der Ortswein-Kategorie stach für mich besonders der wunderbar kühle, spielerische und dennoch überaus ernsthafte Schwarzriesling heraus, der mich meine Einstellung gegenüber dieser Sorte tiefgreifend überdenken ließ… Die roten Burgunder zeigen sich alle stämmig, jedoch von beachtlicher Eleganz und Klasse. Die Spitzenabfüllung vom Spätburgunder sollte überdies ohne weiteres ein Jahrzehnt ohne Schaden überdauern können.

Die Spitze der roten Pyramide besetzen für mich jedoch – ich hoffe, ich tue Justus Ruppert damit nicht Unrecht – zwei Weine aus in dieser Güte hierzulande eher selten vorzufindenden Trauben: Der 2009er Cabernet Sauvignon aus dem Liebfrauenberg ist mit einiger Sicherheit der beste reinsortige einheimische Vertreter dieser bordelaiser Edelrebe, den ich bislang das Vergnügen hatte verkosten zu dürfen. Er hat gewiss Potenzial für eine halbe Ewigkeit, gibt sich aber schon jetzt überragend würzig, fein strukturiert und weit jenseits schnöder Primärfruchtigkeit. Offensichtlich sehe nicht nur ich das so, denn im vergangenen Jahr errang dieser kraftstrotzende Ausnahmetropfen in der Kategorie „Internationale Sorten“ den beachtlichen zweiten Platz beim Deutschen Rotweinpreis.

Schließen möchte ich meine Ausführungen mit einem Wein, den es gewiss nicht jedes Jahr geben wird, der aus einer verpönten Rebsorte bereitet wurde und der dennoch derart markant und schlich gut geraten ist, dass ich bestens nachvollziehen kann, dass er Justus Ruppert besonders am Herzen liegt: Der 2010er Dornfelder aus dem Barrique ist ein Statement für das geschundene Arbeitstier des Rotweinwunders, ja er beweist quasi im Alleingang, dass mehr im Dornfelder steckt als Farbe und belanglose lautsprecherische Frucht. Noch gibt er sich ein wenig verschlossen und will dekantiert werden, doch lässt man ihm Zeit, dann bekommt man es mit einem fast schon mediterran anmutenden, überaus stämmigen Wonnetropfen zu tun, der jedoch von einem exakt bemessenen Eichengerüst daran gehindert wird, allzu vorwitzig zu sein…

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Drohung: Ich werde wiederkommen!

 

Ich denke, dass aus meinen Zeilen klar hervorgegangen ist, dass ich die Weine Hesslochs im Allgemeinen und des Weinguts Ruppert-Deginther im Speziellen sehr schätze und auch weiterhin immer wieder gerne in Rheinhessische zurückkehren werde um die neuen Jahrgänge meiner liebsten Jungwinzer vor Ort zu verkosten. Eine Gemeinde, die in Gestalt von Justus Ruppert und Markus Brandt – neben einigen anderen – derart begabte und vor allem reflektierte Weinmacher vorzuweisen hat, muss sich keine Sorgen um ihren verdienten Platz in der deutschen Weinlandschaft machen! Ich hoffe nur inständigst, dass die vielen anderen und weniger hingebungsvollen Winzer des Ortes sich eine Scheibe von den beiden jungen Herren abschneiden und irgendwann einmal alle Weinberge so gepflegt und gehegt werden wie die von Justus Ruppert…

2012 Grauer Burgunder trocken für 6,45€ bei Schumanns Weinshop
2012 Sauvignon blanc trocken für 7,20€ ebenda
2012 Riesling Liebfrauenberg trocken für 15,30€ ebenda
2011 Chardonnay Weisser Stein trocken für 12,10€ ebenda
2012 Hesslocher Schwarzriesling trocken für 9,90€ ebenda
2009 Cabernet Sauvignon trocken für 24,95€ ebenda
2010 Dornfelder Barrique trocken für 19,30€ ebenda

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