Winzerportrait: Weingut Simon Huber Gengenbach/Baden

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Junges Baden – Neuer geht es nicht…

 

[dropcap2]B[/dropcap2]aden – das muss ich einfach einmal loswerden – macht es dem Raritäten- und Jungwinzersucher nicht eben leicht. Das selbstbewusste Land der wohlhabenden Besseresser weist zwar eine ganze Reihe an nationalen Spitzenbetrieben auf, deren Leistungen außer Frage stehen, doch diesseits dieser Elitefraktion herrschen noch immer die Genossenschaften mit harter Hand und weichen Weinchen.

Während man als Weinschreiber beispielsweise in Rheinhessen oder an der Mosel schon nach oberflächlicher Recherche praktisch jede Woche neue Entdeckungen machen kann, die mehr als nur trinkenswert sind, so tut man sich im sonnenreichsten Anbaugebiet Deutschlands damit deutlich schwerer. Es fehlt – und das bestätigen nicht wenige Winzer – ein ausreichend großer Mittelbau, in dem sich genau die spannenden Generationswechsel überhaupt erst vollziehen können, nach denen ich stets Ausschau halte.

Da es nicht meine Art ist, resigniert aufzustecken, habe ich dennoch weiter gesucht und einen Betrieb aufgetan, der selbst für meine Verhältnisse absolut ungewöhnlich ist: Das Weingut Simon Huber in Gegenbach ist tatsächlich eine reinrassige Neugründung aus dem Jahr 2012. Jungwinzer Simon Huber – international weit herum gekommen und in Weinsberg zum Weinbautechniker ausgebildet – nutze die Gunst der Stunde – beziehungsweise die verwinkelten Pfade der Zwischenmenschlichkeit – und siedelte seinen blutjungen Betrieb im Keller des Hotels der Eltern seiner Freundin an. Mittlerweile hat er mit dem 2013er seinen zweiten Jahrgang von gut zwei Hektar Weinbergsfläche eingebracht und sieht der Zukunft überaus optimistisch entgegen. Dies tut er in meinen Augen mit allem Recht, denn seine seit ein paar Monaten verfügbaren Weine des Premierenjahres 2012 müssen keinen Vergleich mit den Erzeugnissen der etablierten Konkurrenz in der Ortenau scheuen…

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Steillagen und kühler Klingelberger – Die Ortenau ist anders.

 

[dropcap2]D[/dropcap2]a ich persönlich nicht allzu großen Wert auf die Kombination von Speisen und Wein lege, sondern den vergorenen Rebensaft für eine der großartigsten kulturellen Hervorbringungen halte, die man vor allem für sich alleine genießen sollte, hatte es Baden auch aus diesem Grund stets nicht leicht bei mir. Die Nähe zu Frankreich, dem Mutterland der begleitenden Zweckweine, trägt hierfür gewiss eine Mitverantwortung. Der Badener an sich – ich verallgemeinere bewusst – isst gerne ein Stückchen feiner als der Normalgermane und die einheimischen Weine passen perfekt zu diesem sympathischen Laster. Man darf nicht vergessen, dass das Weinbaugebiet Baden als einziges in Deutschland in der EU – Weinbauzone 2 liegt, also zumindest aus bürokratischer Sicht auf einer Stufe mit dem Burgund, Bordeaux oder der Loire. Das schmeckt man tatsächlich bei beinahe jedem Schluck weißen oder roten Burgunders, der badische Wein ist tendenziell viel reifer, säureärmer und auch nicht selten schwerer, als der kühlerer Regionen. Dies prädestiniert ihn, gemeinsam mit dem erwähnten Hang der örtlichen Bevölkerung zu Kulinarik, geradezu zum ernsthaften, üppigen Speisebegleiter und macht ihn eher zu einer zweifelhaften Besetzung für die Rolle des sprichwörtlichen Zechweines, von dem man sich locker zwei Pullen solo reinkelchen kann, ohne die Liebe seines Lebens im sinnlosen Streit für immer zu vergraulen…

Allerdings muss man aufpassen, nicht zu sehr zu pauschalisieren, denn den badischen Wein an sich gibt es so überhaupt nicht! Alle bisherigen Ausführungen beziehen sich denn auch vor allem auf die Kraftgewächse vom Kaiserstuhl, aus dem Markgräflerland und vielleicht auch noch aus dem Breisgau. Hier wachsen die kapitalsten Wuchbrummen, von denen ich für meinen Teil nur schwerlich mehr als zwei große Gläser in Abwesenheit eines Kalbsbratens mit Spätzle vertilgen kann. Es gibt – zusätzlich zu der erfreulichen Tendenz hin zu früherer Lese und damit mehr Frische – in Baden Landstriche, die sich gar nicht so recht mit dieser meiner über die Jahre lieb gewonnenen Schablone decken wollen…

In der Ortenau beispielsweise, in der auch das Weingut Simon Huber liegt, gibt es allerhand Steillagen, in denen außerordentliche Rieslinge – hier Klingelberger genannt – gedeihen, die sich hinter den aktuell gefragten flüssigen Waschbrettbäuchen aus dem Norden wahrlich nicht verstecken brauchen. Verantwortlich für diesen gänzlich anderen, kühleren Stil ist beileibe nicht nur die generell nördlichere Lage, sondern vor allem auch das viel zitierte Mikroklima so mancher Rebberge. So stehen die Rieslinganlagen des Weingut Simon Huber im Kinzigtal unweit von Offenburg, durch das sich allabendlich auch im heißesten Sommer erquicklich kühle Luftmassen ihren Weg gen Rheintal bahnen. Das Ergebnis dieses Phänomens sind Tropfen aus der Königin der weißen Reben, die zwar noch immer relativ südlich kraftvoll ausfallen, jedoch ganz gewiss nicht unspritzig oder gar ungeschlacht…

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Weingut Simon Huber – Jung, klein, aber jetzt schon fein…

 

[dropcap2]I[/dropcap2]m Wesentlichen lässt sich die Kollektion des Weingut Simon Huber in zwei recht scharf voneinander getrennte Kategorien einteilen, die einander jedoch prächtig ergänzen. Auf der einen Seite stehen der bereits angedeutete junge und frische Riesling des Hauses, der mineralisch-knackig für fast schon nördlichen Trinkfluss sorgt. Ihm zur Seite hat Simon Huber einen mindestens genauso erfreulichen Müller-Thurgau gestellt, der bei geringfügig geringerer Säure in seiner lobenswert zurückhaltenden Fruchtigkeit und Drahtigkeit ein mehr als seriöses Statement für dieses viel geschmähte Sorte darstellt.

Das Kernstück des Portfolios sind jedoch – oh Wunder – die Burgundersorten, genauer gesagt die Weine aus Grauem und aus Spätburgunder. Hier schlägt, ganz im Gegensatz zum Riesling, das südliche Kernbaden prototypisch durch: Bereits der einfache trockene Grauburgunder ist ein ganz wunderbar harmonischer, vollfruchtiger, cremiger und mitnichten schwachbrüstiger Speisebegleiter wie aus dem Bilderbuch. Eine ganze Schippe oben drauf legt Simon Huber jedoch mit seiner Grauburgunder Reserve, einem teilweise im Barrique ausgebauten Schwergewicht, das mit Fug und Recht als Franzosenschreck bezeichnet werden kann. Im Gegensatz zu so manchem anderen badischen Vertreter aus dieser oft etwas zur öligen Breite neigenden Traube gibt sich der Spitzenweiße vom Weingut Simon Huber – im vollen Bewusstsein seiner beachtlichen Klasse – erfreulich unaufgeregt und bar jeder Übertreibung. Der im neutralen Stahltank ausgebaute Teil sorgt für eingängige und überaus präzise Primärfrucht und eine gewisse Lebendigkeit, während der Barrique-Part etwas Rauch, andeutungsweise Gerbstoffe und feinen Schmelz beisteuert. Ich hatte bereits dreimal seit der Füllung im Frühjahr die Gelegenheit, die Grauburgunder Reserve zu verkosten und bin mehr als überzeugt davon, dass dieser Wein sich über mehrere Jahre nur zu seinem Besten entwickeln wird.

Die Rotweine vom Weingut Simon Huber sind ebenfalls nicht sonderlich zahlreich, was ihrer Güte jedoch ganz gewiss keinen Abbruch tut. Ich erachte es ganz im Gegenteil sogar als außerordentlich zukunftsweisend, wie Simon Huber seine Kollektion im Rahmen der Überschaubarkeit hält. Freilich wird es in den nächsten Jahrgängen den einen oder anderen zusätzlichen Tropfen aus Gengenbach geben, doch eine allumfassende Vollversorger-Weinkarte der alten Schule ist zum Glück nicht das Ziel des jungen Winzers.

Am unteren Ende der zweistufigen Pyramide steht der „einfache“ Spätburgunder trocken des Jahrgangs 2012, der, obwohl erst vor ein paar Wochen gefüllt, jeden Freund der Sorte aufhorchen lassen muss: Von der Ausdrucksstärke, fruchtbetonten Rundheit und der maßvollen Eichenprägung dieser im gebrauchten kleinen Gebinde gereiften Basisqualität, könnte sich so manche etablierte Größe der Zunft eine ordentliche Scheibe abschneiden! Mit diesem gehaltvollen Tropfen bestätigt Simon Huber absolut eindrucksvoll meine These, nach der man in kleineren und unbekannteren Weingütern nicht selten die besseren Alltagsweine finden kann, als in den beadlerten heiligen Kellern Weindeutschlands…

Die Spätburgunder Reserve hingegen steht meilenweit über derartig kleinkarierten Debatten und zeigt bereits in ihrer frühesten Jugend, dass sie durchaus das Zeug zu wahrer Größe hat. Dies liegt jedoch weniger in einem höheren Grad der Traubenreife begründet – hier legt bereits der kleine Bruder die Messlatte sehr hoch -, sondern vielmehr in den noch markanten, aber schon jetzt überaus nobel feinkörnigen Tanninen und dem stabilen, aber kein Deut zu ausgeprägten Holzgerüst. Dieser Wein kann nicht nur reifen, er muss es sogar noch ein klein wenig, bevor er seine Vollendung erreichen wird. Trotz alledem – die Fassproben kurz vor der Füllung im November waren recht holzlastig – befindet sich der große Spätburgunder vom Weingut Simon Huber auf einem sehr guten Weg. Erst vor ein paar Tagen hatte ich das Vergnügen, mir ein Fläschchen einzuverleiben und muss in diesem Zusammenhang dem geneigten Leser zum wiederholten Male die extrem große Bedeutung des Dekantierens von Jungweinen vor Augen führen: Ausreichend belüftet und minutenlang im großen Glas geschwenkt, zeigt der Wein bereits sein überragendes Potenzial – man kann ihn ohne schlechtes Gewissen schon zur diesjährigen Weihnachtsgans genießen, wenn man ihn entsprechend behandelt.

Wer es noch ein Stück zugänglicher, aber keineswegs weniger fein haben möchte, für den hat das Weingut Simon Huber eine rote Rarität derselben gehobenen Kategorie im Programm, die schon jetzt ihren ungeduldigen Vernichter innig umarmt. Die St. Laurent Reserve von Simon Huber zeigt sich tiefdunkel im Glas, betörend schwarzbeerig im Bouquet und am Gaumen seidiger und leichter verständlich als der noch etwas anspruchsvoll-eckige Pinot. Dennoch sind die verwandschaftlichen Bande klar riech- und schmeckbar: Auch die St. Laurent Reserve vom Weingut Simon Huber ist bei aller Fülle und Pracht ausdrücklich kein aufgeplusterter Showwein im internationalen Stil, sondern ein niveauvoller, gewichtiger Roter mit Augenmaß.

Gerade weil man die, mittlerweile besonders in der Pfalz hektarmäßig wieder ordentlich zulegende, Sorte St. Laurent in Baden nur punktuell findet, stellt der St. Laurent von Simon Huber vielleicht die außerordentlichste Entdeckung unter all den Erfreulichkeiten dar, denen ich bei meiner Visite in Gengenbach begegnet bin.

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Man sollte sich besonders als Weinschreiber stets vor dem Gebrauch von Superlativen hüten und so werde ich im Zusammenhang mit Simon Hubers Kellerkeinod auch nicht von einer Sensation sprechen. Dafür ist es – so seriös muss ich bleiben – nach nur einem Jahrgang noch etwas zu früh. Dennoch bin ich ganz offensichtlich nicht alleine mit meiner durchweg positiven Einschätzung der Abreit von Herrn Huber, denn sowohl der dicke gelbe, als auch der etwas schlankere grüne Weinführer haben sofort reagiert und das Weingut Simon Huber in ihren aktuellen Ausgaben empfohlen. Und das, obwohl die Rotweine zu Redaktionsschluss noch nicht einmal gefüllt waren…

Fast die gesamte Kollektion vom Weingut Simon Huber gibt es seit ein paar Tagen auch bei Schumanns Weinshop.

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